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Freud, S. (1936). Die Feinheit einer Fehlhandlung. Almanach der Psychoanalyse, 11:15-17.

(1936). Almanach der Psychoanalyse, 11:15-17

Die Feinheit einer Fehlhandlung

Sigm. Freud

Ich bereite ein Geburtstagsgeschenk für eine Freundin vor, eine kleine Gemme, die zu einem Ring verarbeitet werden soll. Auf eine steife Karte, in deren Mitte das Steinchen befestigt ist, schreibe ich: „Bon für einen Goldring bei Uhrmacher L. anzufertigen … für beigelegten Stein, der ein Schiff mit Segel und Rudern zeigt.“ An der Stelle, die im Druck freigeblieben ist, zwischen „anzufertigen“ und „für“, stand aber ein Wort, das ich dann als völlig unzugehörig durchstreichen mußte, das kleine Wort „bis“. Ja, warum habe ich das überhaupt geschrieben?

Beim Durchlesen des kurzen Textes fällt mir auf, daß er zweimal bald nacheinander die Präposition „für“ enthält. „Bon für einen Ring — für beigelegten Stein.“ Das klingt übel und sollte vermieden werden. Nun bekomme ich den Eindruck, die Einschiebung von „bis“ anstatt „für“ sei ein solcher Versuch zur Vermeidung der stilistischen Ungeschicklichkeit gewesen. Das wird wohl richtig sein. Aber ein Versuch mit besonders unzureichenden Mitteln. Die Präposition „bis“ ist an dieser Stelle ganz unpassend und kann das unbedingt erforderliche „für“ nicht ersetzen. Warum also grade „bis“?

Aber vielleicht ist das Wörtchen „bis“ überhaupt nicht die eine Zeitgrenze bestimmende Präposition, sondern etwas ganz anderes. Es ist das lateinische „bis“, — zum zweiten Mal —, das mit der gleichen Bedeutung ins Französische übergegangen ist. „Ne bis in idem“ heißt es im römischen Recht.

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