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Sadger, J. (1912). Von der Pathographie zur Psychographie. Imago, 1(2):158-175.

(1912). Imago, 1(2):158-175

Von der Pathographie zur Psychographie

J. Sadger

I

Seitdem Morel und Magnan die Symptome der Dégénéréscence beschrieben und Lombroso auf den Zusammenhang zwischen Genie und Wahnsinn, richtiger zwischen Genie und Belastung hingewiesen hatte, unternahmen verschiedene Neurologen und Psychiater, ihr spezialistisches Fachwissen an Dichtern, Musikern und bildenden Künstlern, sowie deren Schöpfungen zu erproben. Was jeweils als Blüte irrenärztlichen Wissens fachmännische Gehirne bewegte, wurde flugs auf den Genius appretiert und dem großen Publikum als totsichere Wahrheit vorgesetzt. Dies konnte um so leichter geschehen, als die meisten Laien, zu welchen ja Kunstgenießende sowie Kunstrichter fast ausnahmslos gehören, im Gefühl ihrer psychiatrischen Unzulänglichkeit und vom neuen Lichte der Wissenschaft geblendet, kaum ernstlich zu widersprechen wagten. Ein wirkliches Entzücken und innere Freude empfanden sie freilich ob jenes Beginnens in den seltensten Fällen. Meist fühlten sie nur, man entweihe ihre angebeteten Götter, ohne die Erkenntnis irgendwie dadurch zu fördern, daß man dem Abnormen eine wissenschaftliche Etikette anklebe. Mochte auch Moebius, wohl der Hellsichtigste und Gedankenreichste der Pathographen, entgegenhalten, die Erfahrung lehre, daß beim Genie »neben großen Eigenschaften unverkennbare Defekte und bei manchen auch Syndrome vorhanden seien, die auf den abnormen Grundzustand hinweisen«, daß ferner »in der Regel bei ungewöhnlichen Leistungen nicht alle Fähigkeiten gesteigert sind, sondern nur einige, während neben ihnen andere nur normale oder gar unternormale vorhanden sind«, mochten kleinere Geister von der Höhe ihres fachmännischen Wissens herab untrügliche Seelenkunde verschleißen, dem Laien ward dabei nie recht wohl.

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