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Hitschmann, E. (1913). Schopenhauer: Versuch einer Psychoanalyse des Philosophen. Imago, 2(2):101-174.

(1913). Imago, 2(2):101-174

Abhandlungen

Schopenhauer: Versuch einer Psychoanalyse des Philosophen

Eduard Hitschmann

»Schopenhauer idealisierte das Mitleiden und die Keuschheit, weil er am meisten von dem Gegenteile litt.«

Nietzsche.

Die Psychoanalyse hat schon mehrfach mit Erfolg versucht, in die Psychologie des Dichters und Künstlers ebenso einzudringen, wie in das Seelenleben des Normalen und des Neurotikers. In diese Kette reiht sich der Philosoph insoferne ein, als durchaus nicht alle Vertreter dieser Wissenschaft als exakte Forscher zu betrachten sind, vielmehr der produktive Philosoph im engeren Sinne, der ein eigenes System aufbaut, dem intuitiv schaffenden Künstler oft näher steht, als es nach dem Material, in dem er arbeitet, den Anschein haben mag. Wir stoßen in der Geschichte der Philosophie immer wieder auf unabhängige geistige Persönlichkeiten, die d n unbewußten Drang in sich fühlen, ein System aus sich selbst heraus zu entwerfen, das die Welt deuten, das Rätselhafte des Daseins erklären sollte und nach ihrer Überzeugung diese Probleme auch endgiltig gelöst hatte 〈Metaphysiker〉. Jeder dieser produktiven Philosophen fand seine Gemeinde ufid hatte seine Wirkung auf ein gewisses Zeitalter. So erinnert die Geschidite der Philosophie an die Geschichte der Religion, und wie den Atheisten nur diese noch interessiert, so beschleicht einen beim Überblicken der Jahrtausende fortgesetzten philosophischen Spekulationen eine Skepsis gegenüber jedem doch nur vergänglich gebliebenem System.

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