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Furrer, A. (1922). Tagphantasie eines sechseinhalbjährigen Mädchens. Imago, 8(1):82-93.

(1922). Imago, 8(1):82-93

Tagphantasie eines sechseinhalbjährigen Mädchens

Albert Furrer

Die von meinem sechseinhalbjährigen Töchterchen produzierte Tagphantasie und deren Analyse werden dem erfahrenen Praktiker kaum etwas Neues zu bieten imstande sein. Wenn ich die Phantasie dennoch veröffentliche, so tue ich es einmal deswegen, weil sie mir einen kasuistischen Beitrag zur Augensymbolik zu liefern scheint, und sodann aus der Erwägung heraus, daß es auch für den Routinier immer wieder lehrreich und vor allem erfrischend sein wird, Produkte der kindlichen Phantasietätigkeit und die bald naiven, bald witzigen und tollen Einfälle eines Kindes zur Kenntnis zu nehmen.

Die Situation, welche mein Töchterchen Heidi anregte, mir seine »Dichtung« vorzutragen, war folgende: Ich lag grippekrank zu Bette, da kam — es war am 6. März 1920 — mein Kind zu mir ins Zimmer auf Krankenbesuch. Wie es ans Bett trat, sagte es gleich: »Gelt dir ist langweilig, soll ich dir eine schöne Geschichte erzählen?« »O ja, sehr gerne«, gab ich zur Antwort. Augenblicklich hub Heidi zu erzählen an:

Einmal sind drei Buben gewesen und ein Mägdelein. Die Buben sind an einer Hagecke 〈Zaun〉 gestanden und weiter vorn hat es ein Gebüsch gehabt, Dort drin ist ein Loch gewesen, in dem ist früher mal ein Tier gewesen. Das Mägdelein hat nicht mit den Buben spielen dürfen. Da ist das Mädchen in jenes Gebüsch gegangen zu jenem Loch und da sind viele, viele Schlangen gekommen und sie sind in dieses Loch hineingegangen.

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