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Kinkel, J. (1922). Zur Frage der psychologischen Grundlagen und des Ursprungs der Religion. Imago, 8(2):197-241.

(1922). Imago, 8(2):197-241

Zur Frage der psychologischen Grundlagen und des Ursprungs der Religion

Johann Kinkel

II

In kurzer Zusammenfassung der hervorgehobenen religionspsychologischen und religionshistorischen Tatsachen und Momente wäre darauf hinzuweisen, daß die moderne Psychologie uns wichtige Stützpunkte liefert, um den Ursprung und die gesamte Entwicklung der Religionsvorstellungen bei der Menschheit tiefer, als es bisher möglich war, zu erfassen. Im Gegensatz zu den älteren Grundprinzipien unserer Disziplin ist die Psychologie heute zu der Erkenntnis gelangt, daß neue Wahrnehmungen »respektive Begriffe«, die der Mensch gewinnt, ein Ergebnis gewisser in der Seele früher akkumulierter Vorstellungen seien. Es ist also jetzt feststehend, daß wir in alle unsere neuen Wahrnehmungen alte Vorstellungen, die dem betreffenden Gebiete nahestehen und ihm verwandt sind, hineinlegen. Besonders deutlich tritt diese Tatsache in der infantilen Psychologie hervor. Das Kind begreift die umgebende Welt vom Gesichtspunkte der Kinderstube, vom Standpunkte der Familien-, respektive der Kinder-Elternbeziehungen aus. Diejenigen Erscheinungen nun, die im Gebiete seines infantil beschränkten Denk- und Gefühlskreises nicht untergebracht werden können, läßt das Kind beiseite, sie bleiben von ihm unbemerkt und unverstanden, verschwinden völlig aus seinem Bewußtsein. Ganz dasselbe beobachten wir bei den primitiven Völkern, respektive überhaupt der infantilen Menschheit.

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