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Federn, P. (1922). PAUL KRISCHE: Marx und Freud. Neue Wege in der Weltanschauung und Ethik des Freidenkers, A. Hoffmanns Verlag. Berlin O. 1922.. Imago, 8(4):512.

(1922). Imago, 8(4):512

PAUL KRISCHE: Marx und Freud. Neue Wege in der Weltanschauung und Ethik des Freidenkers, A. Hoffmanns Verlag. Berlin O. 1922.

Review by:
Paul Federn

Die sozialpolitische Literatur hat bis nun Freud übersehen, Der Verfasser macht dafür mit Recht die »materialistische Geschichtsauffassung« verantwortlich, welche viele sozialistischen Theoretiker übertreiben und ruhig erwarten, daß eine Änderung des Produktionsprozesses automatisch auch eine Umwandlung des kulturellen Überbaues 〈Recht, Religion, Kunst, Ethik, Sitte〉 im Sinne des Sozialismus herbeiführen müsse. Der Verfasser verlangt hiegegen eine bewußte Änderung der gesamten Triebrichtung im Sinne des Sozialismus. Als Alfred Adlers Verdienst wird vom Verfasser anerkannt, daß dieser Schüler Freuds im Triebleben das Primäre, Richtunggebende, im Produktionsprozeß das Formgebende erkannt hat. Freud selbst, »der vielen als zweiter, weltumspannender Revolutionär großen Formats erscheint, den viele als denkbar schärfsten Gegner des Marxismus auffassen«, wird als großer, neben Marx unentbehrlicher Mitkämpfer um rücksichtslose Aufklärung dessen, »was ist« im Menschen und in der Gesellschaft begrüßt. Im allgemeinen ist die Lehre Freuds in einer kurzen Übersicht richtig wiedergegeben; einzelne unrichtige Auffassungen veranlassen überflüssige Polemik: so hat Freud selbst eine »völlige Zweispaltung der Seele in Trieb- und Bewußtseinsinhalt« nicht behauptet.

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