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Winterstein, A. (1923). A. L. KROEBER: Totem and taboo: an ethnological psychoanalysis (American Anthropologist, Vol. 22, 1922).. Imago, 9(1):139-141.

(1923). Imago, 9(1):139-141

A. L. KROEBER: Totem and taboo: an ethnological psychoanalysis (American Anthropologist, Vol. 22, 1922).

Review by:
Alfred Winterstein

Das Aufsehen, das Freuds Aufsätze über obiges Thema zwar nicht bei den Anthropologen selbst, die ihnen bisher wenig Beachtung schenkten, wohl aber in mannigfachen Kreisen von Gebildeten erregt haben, scheint Kroeber Veranlassung genug, sich auch vom Standpunkte des Fachmannes mit den Ansichten Freuds auseinanderzusetzen. K. erhebt nach einer kurzen Darlegung von Freuds Hauptthese, „daß im Ödipuskomplex die Anfänge von Religion, Sittlichkeit, Gesellschaft und Kunst zusammentreffen“ (wobei er dem Autor eine petitio principii vorwirft), gegen die Arbeit eine ganze Reihe von Einwänden, von denen drei sich eigentlich gegen Darwin-Atkinsons und Robertson-Smiths tatsächlich nichts weniger als unbestrittene Theorien richten. Freuds Behauptungen selbst anlangend, hält er es für eine bloße Vermutung, daß die Söhne den Urvater erschlugen, wozu zu bemerken wäre, daß Freud selbst sich der Unsicherheiten seiner Voraussetzungen wohl bewußt ist. Auch daß das Kind bisweilen seinen Vaterhaß auf ein Tier verschiebt, scheint K. kein zwingender Beweis dafür zu sein, daß die Söhne der Urzeit das Gleiche taten. Wenn sie aber „verschoben“, würden sie noch genügend ursprünglichen Haßimpuls besitzen, um den Vater zu töten? Wenn ja, würde wiederum nicht die begangene Tat die Verschiebungen aufheben? K.

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