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Schaxel, H. (1926). AUGUST AICHHORN: Verwahrloste Jugend. Die Psychoanalyse in der Fürsorgeerziehung. Zehn Vorträge zur ersten Einführung. Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Sigm. Freud. Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Leipzig, Wien, Zürich 1925.. Imago, 12(1):94-98.

(1926). Imago, 12(1):94-98

KRITIKEN UND REFERATE

AUGUST AICHHORN: Verwahrloste Jugend. Die Psychoanalyse in der Fürsorgeerziehung. Zehn Vorträge zur ersten Einführung. Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Sigm. Freud. Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Leipzig, Wien, Zürich 1925.

Review by:
Hedwig Schaxel

Aichhorn hat lange Jahre als Leiter staatlicher Erziehungsanstalten und als Erzieher in Erziehungsberatungsstellen gewirkt. Er ist ein Praktiker und sein Buch wendet sich an die praktisch in der Erziehung Tätigen. Er hat sich ein Teilproblem der Erziehung, die Fürsorge-Erziehung, zur eigentlichen Domäne gewählt. Sein Buch ist nicht für Analytiker geschrieben. Der Analytiker kann daraus bloß entnehmen, inwiefern es für die Fürsorgeerziehung und für die Erziehung im allgemeinen ein Fortschritt ist, wenn sie sich von der Psychoanalyse Rüstzeug holt. „Erziehungsarbeit ist etwas sui generis, das nicht mit psychoanalytischer Beeinflussung verwechselt und nicht durch sie ersetzt werden kann. Die Psychoanalyse des Kindes kann von der Erziehung als Hilfsmittel herangezogen werden. Aber sie ist nicht dazu geeignet, an ihre Stelle zu treten“, sagt Freud in seinem Geleitwort.

Erziehung ist eine zielgerichtete Tätigkeit. Der Erzieher ist Funktionär der Gesellschaft. „Wir sind Fürsorgeerzieher“, sagt Aichhorn, „und haben die soziologischen Zusammenhänge zu erkennen. Wir können uns für unsere Person zu irgendwelcher Ordnung bekennen, haben aber einen streng vorgezeichneten Weg vor uns: die heutige dissoziale Jugend zur sozialen Einordnung zu führen.“ Der Begriff „verwahrlost“ umschließt ein soziologisches Werturteil, daraus folgt, daß er sich mit der wechselnden Gesellschaftsstruktur ändert und sich dem jeweils herrschenden Gesellschaftsideal anpaßt.

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