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Bernfeld (1926). HANS HENNING: Die Aufmerksamkeit. (Aus: Abderhalden, Handbuch der biologischen Arbeitsmethoden.) Urban & Schwarzenberg. Berlin-Wien 1925.. Imago, 12(4):529.

(1926). Imago, 12(4):529

HANS HENNING: Die Aufmerksamkeit. (Aus: Abderhalden, Handbuch der biologischen Arbeitsmethoden.) Urban & Schwarzenberg. Berlin-Wien 1925.

Review by:
Bernfeld

Eine sehr dankenswerte Zusammenfassung der Ergebnisse der experimentellen Psychologie unter besonderer Berücksichtigung der Forschungsmethoden. Die Ergebnisse und Methoden der Psychoanalyse werden gänzlich ignoriert, der Verfasser rechtfertigt nicht einmal, daß er sie unberücksichtigt läßt. „Die Aufmerksamkeit ist keine Erlebnisklasse oder einfache Erlebnisart, welche ohne weiteres von anderen Klassen, z. B. von Wahrnehmen oder Denken sinnlich abzuheben wäre, und kann somit nicht als solche in der Selbstbeobachtung ergriffen werden, sondern nur als gedachte Bedingung oder physiologische Voraussetzung bestimmter Erlebnisse gelten.“ (S. 1). Für Henning kann heute nur eine physiologische Erklärung in Betracht kommen. (S. 200.) Dieser extreme Standpunkt hindert ihn aber nicht, mit genügender Ausführlichkeit auch die anderen — außerpsychoanalytischen — Anschauungen darzustellen. Daher hat dieses Buch für uns den Wert: zu zeigen, wie bei fleißigster Feststellung von Bewußtseinstatsachen die experimentelle Psychologie zu keiner irgendwie befriedigenden Gesamtansicht gelangt ist, die das Phänomen der Aufmerksamkeit wirklich aufhellen würde. Hennings eigene Beiträge zum Problem, selbst seine (physiologische) Sensibilisierungstheorie erfüllen die Funktion der Wegbereitung für die psychoanalytischen Erkenntnisse und Theorien, indem sie einen Fortschritt der Zersetzung der alten psychologischen Grundanschauungen darstellen. Der Akzent der Deutungen wird von den festen Empfindungen auf die dynamischen Prozesse der Aufmerksamkeit verlegt, die Empfindung und Wahrnehmung beeinflussen, beinahe überhaupt erst „schaffen“. Von Hennings Sensibilisierung ist zwar noch ein weiter Weg, um die Bewußtseinspsychologie an Freuds Trieb- und Energielehre anzuschließen, aber es ist immerhin ein Weg. Freilich sollten wir nicht warten, bis die Experimental-psychologen ihn finden. Es wäre durchaus nötig, daß wir selbst ihn deutlicher als bisher üblich war, zeigten.

Bernfeld (Berlin).

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