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Mack, R.J. (1928). Ein Traum aus einem japanischen Roman des elften Jahrhunderts. Imago, 14(1):147-148.

(1928). Imago, 14(1):147-148

Ein Traum aus einem japanischen Roman des elften Jahrhunderts

Ruth Jane Mack

In den Jahren 1001 — 1015 A. D. verfaßte eine japanische Hofdame, Lady Murasaki, einen großen Roman unter dem Titel „Die Geschichte der Abenteuer des Prinzen Genji”, der uns im Juni 1925 in einer englischen Übersetzung von Arthur Waley zugänglich wurde. Neben der großen poetischen Schönheit dieses Werkes, die der Übersetzer mehr als alle seine anderen Vorzüge zu schätzen scheint, interessiert uns vor allem die psychologische Beleuchtung der Liebesabenteuer dieses japanischen Don Juans. Unter vielen Stellen, die man in dieser Hinsicht hervorheben könnte, erscheint mir die Verwertung eines Traumes die interessanteste zu sein.

Der Vorfall spielt nach dem Tode Aois, der ersten Frau des Prinzen Genji. Dem herrschenden Glauben entsprechend, wird auch hier angenommen, daß der Haß irgendeines Feindes an ihrem Tode schuld ist. Genjis Maitresse, Lady Rokujo, weiß, daß man Aois Tod den Ränken ihres „lebendigen Geistes” zuschreibt. Sie versucht, sich über ihre Gefühle gegen Aoi klar zu werden, kann aber nichts in sich entdecken, als das Bewußtsein ihrer eigenen unglückseligen Lage. „Trotzdem war sie nicht sicher, ob nicht am Grunde ihrer von Gram verzehrten Seele ein Funken Groll in der Verborgenheit schlummerte.”

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