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Pfister, O. (1928). Die Illusion einer Zukunft: Eine freundschaftliche Auseinandersetzung mit Prof. Dr. Sigm. Freud. Imago, 14(2-3):149-184.

(1928). Imago, 14(2-3):149-184

Die Illusion einer Zukunft: Eine freundschaftliche Auseinandersetzung mit Prof. Dr. Sigm. Freud

Oskar Pfister

Lieber Herr Professor!

Sie haben es in der liebenswürdigen Weise, an die Sie mich in neunzehnjähriger gemeinsamer Arbeit gewöhnten, für erwünscht erklärt, daß ich meine Einwände gegen Ihr Büchlein „Die Zukunft einer Illusion“ der Öffentlichkeit vorlege, und mir mit einer Liberalität, die bei Ihrer Denkweise selbstverständlich ist, zu diesem Zweck eine der von Ihnen herausgegebenen Zeitschriften zur Verfügung gestellt. Ich danke Ihnen herzlich für diesen neuen Freundschaftsbeweis, der mich in keiner Weise überraschte. Von Anfang an haben Sie aus Ihrem dezidierten Unglauben mir und aller Welt gegenüber kein Hehl gemacht, so daß Ihre jetzige Prophezeiung einer religionslosen Zukunft mir keine Neuigkeit zuträgt. Und Sie werden lächeln, wenn ich in der von Ihnen geschaffenen psychoanalytischen Methode ein prachtvolles Mittel erblicke, die Religion zu läutern und zu fördern, wie Sie es zur Zeit der Hungersnot taten, als wir bei Schneegestöber auf Beethovens Pfaden über Wiens Anhöhen stapften und einander, wie schon in früheren Jahren, in diesem Punkte wieder einmal nicht zu überzeugen vermochten, so bereitwillig ich sonst, mit Reichtum und Segen aus Ihrer Geistesfülle überschüttet, zu Ihren Füßen saß.

Ihr Buch war für Sie eine innere Notwendigkeit, ein Akt der Ehrlichkeit und des Bekennermutes. Ihr titanisches Lebenswerk wäre unmöglich gewesen ohne das Zerschlagen von Götzenbildern, mögen sie in Universitäten oder Kirchenhallen gestanden haben. Daß Sie selbst der Wissenschaft mit einer Ehrfurcht und Inbrunst dienen, die Ihr Studierzimmer zum Tempel erheben, weiß jeder, der Ihnen nahezustehen die Freude hat.

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