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Muschg, W. (1933). Rogge, Christian: Der Notstand der heutigen Sprachwissenschaft. Eine Einführung in die Psychologie des sprachschaffenden Menschen. München, Max Hueber Verlag, 1929. 224 Seiten.. Imago, 19(1):139-141.

(1933). Imago, 19(1):139-141

Rogge, Christian: Der Notstand der heutigen Sprachwissenschaft. Eine Einführung in die Psychologie des sprachschaffenden Menschen. München, Max Hueber Verlag, 1929. 224 Seiten.

Review by:
W. Muschg

Rogges Schrift unternimmt eine umfassende Kritik an der modernen Sprachforschung. Sie ist einer jener Aufrufe zur Revision überlebter Begriffe, wie sie in unserer Zeit auf allen Arbeitsgebieten auftauchen, und basiert auf Erkenntnissen, die dem Fachmann ein Staunen, dem Psychoanalytiker größtes Interesse abnötigen müssen.

In der modernen Linguistik herrscht offiziell eine grundsätzlich mechanistische, materialistische Auffassung des sprachlichen Geschehens. Sie hat sich aus dem Historismus mit seinem Post hoc, propter hoc zur seelenlosen Lautphysiologie verfeinert, die einen (gut darwinistisch gemeinten) Daseinskampf der Laute untereinander mit immer raffinierteren Methoden beobachtet. Ein j hatte einmal die Fähigkeit, den allmählichen Übergang des voraufgehenden Vokals in den Umlaut zu bewirken, gewisse konsonantische Elemente, die dazwischen standen, vermochten diesen Übergang zu verhindern. Ein System unzähliger solcher „Lautgesetze“ ergibt insgesamt die Richtung, in der die Sprachentwicklung ohne Zutun des Menschen abläuft. Rogge sieht in ihm nur den Apparat von Hebeln und Schrauben, der die Beschreibung der Vorgänge für ihre Erklärung ausgibt, eine Mythologie, die dem Bewegten die Ursache der Bewegung zuschreibt. Die Allmählichkeit der Übergänge ist ihm bloß ein anderer Name für ihre faktische Unvorstellbarkeit, das Operieren mit astronomisch aufgeblähten Zeiträumen ein Entweichen ins Unerreichbare, wo doch Sprache, als stets lebendige Gegenwart, vom Nächsten her sollte erklärt werden können.

Was ist dieses nächstliegende Objekt der Sprachforschung? Der sprechende Mensch. Sprache ist kein Werk (keine Materie), sondern eine Tätigkeit. Dieser geniale Satz Wilhelm von Humboldts ist Rogges Ausgangspunkt. Einzig der biologische Habitus des Menschen und seine jeweiligen kulturgeschichtlichen Erlebnisse können das Sprachgeschehen erklären.

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