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Kelsen, H. (1933). Die platonische Liebe. Imago, 19(2):225-255.

(1933). Imago, 19(2):225-255

Die platonische Liebe

Hans Kelsen

II Kratos

Inhalt: § 11. Der Wille zur Macht bei Sokrates. — § 12. Tugend ist Wissen: eine Ideologie der Paideia — § 13. Das Daimonion. — § 14. Der Drang zur Paideia und Politeia bei Platon. — § 15. Platon als Politiker. — § 16. Der „tyrannische Charakter“ und die Figur des Kallikles. — § 17. Platons Herrschaftsanspruch in der „Politeia“. — § 18. Platons Herrschaftsanspruch im „Politikos“ und in den „Nomoi“. — § 19. Das Syrakusaner Abenteuer.

§ 11. Der Wille zur Macht bei Sokrates. Es ist von größter Bedeutung, daß Platon auch in der Rede der Diotima den sozialen Charakter seines unter dem Vorwurf der Gesellschaftsfeindlichkeit stehenden Eros hervorhebt. Aus dem Munde der Seherin läßt er verkünden, daß die schönsten Kinder des in der Seele zeugenden geistigen Eros nicht so sehr Dichtungen oder Werke der bildenden Kunst, als vielmehr gesellschaftliche Ordnung, Staatsverfassungen, Gesetze, Werke der Gerechtigkeit sind. „Weitaus die größte und schönste Erkenntnis“ — und Erkenntnis ist es, was der Seele gemäß ist zu zeugen und zu empfangen — „ist die für Ordnung der Städte und Haushaltungen, die den Namen hat: Besonnenheit und Gerechtigkeit“. Und unter den „unsterblichen Kindern“, die zurückzulassen wertvoller ist als leiblich-sterbliche, nennt er die Gesetze Solons und die Kinder, die „Lykurgos zurückließ in Lakedämon zu Rettern von Lakedämon und, um es zu sagen, von Hellas“.

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