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Ferenczi, S. (1914). 4. Zwangsneurose und Frömmigkeit. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 2(3):272.
    

(1914). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 2(3):272

4. Zwangsneurose und Frömmigkeit

Dr. S. Ferenczi

Zur Illustration der Theorie Freuds, daß Zwangsneurose und Religionsübung im Wesen identisch (d. h. beide Tabu-Symptome) sind, dient der Fall einer Patientin, bei der abergläubische Frömmigkeit und Zwangszustände zyklisch alternieren. Solange sie „gesund“ (d. h. von Zwangssymptomen frei) ist, hält sie jedes religiöse Zeremoniell gewissenhaft ein, merkwürdigerweise insgeheim oft auch Vorschriften ihr fremder Religionen und huldigt jedem Aberglauben, von dem sie hört. Im Moment, wo die gefürchteten Zwangssymptome auftreten, wird sie ungläubig und irreligiös. Ihre Rationalisation für dieses Verhalten lautet: Da mich Gott (oder das Schicksal) trotz strenger Einhaltung aller Vorschriften vor der Wiederkehr der Krankheit nicht geschützt hat, unterlasse ich die nutzlosen Vorsichtsmaßregeln. In Wirklichkeit wird ihr Religion und Aberglaube tiberflüssig, sobald sie, aus ihr unbewußten Gründen, ihre „individuelle Religion“ (die Zwangsneurose) zu kultivieren beginnt. Wenn es ihr aber wieder besser geht, kommt sie mit den sozial anerkannten abergläubischen und Religionsübungen aus, sie wird wieder gläubig. Ich habe Gründe zur Annahme, daß die Zwangsperioden starken Libidoschüben entsprechen.

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