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Reik, T. (1915). 5. Analyse zweier visueller Phänomene. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 3(1):38-40.

(1915). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 3(1):38-40

5. Analyse zweier visueller Phänomene

Theodor Reik

Zwei kontrastierende Phänomene visueller Art scheinen mir der Aufmerksamkeit des Psychoanalytikers wert zu sein. Die folgenden Beobachtungen wollen nur zur Analyse anregen, ohne zu beanspruchen, daß der von mir hinzugefügten Theorie Allgemeingültigkeit zukäme.

I. Olga S., die einen Monat fern vom Wohnorte ihrer Eltern verbrachte, erging sich in einer freien Nachmittagsstunde in Gedanken an das Elternhaus. Als sie sich die Züge der Mutter vorstellen wollte, erkannte sie zu ihrem Schrecken, daß sie sich von ihnen durchaus kein Bild machen könnte. Sie machte vergebens Anstrengungen, sich in der Erinnerung das Bild der Mutter wachzurufen. Sie stellte sich umsonst Situationen des Alltagslebens oder besondere Gelegenheiten vor, in denen sie die Mutter beteiligt wußte. Das Charakteristische dieser visuellen Amnesie war der jähe Schreckaffekt, der sie begleitete und die lange andauernde schmerzliche Empfindung, die ihr folgte und die sich endlich in Schluchzen Bahn brach. Die Analyse führte zunächst zu einer Erinnerung: einige Tage vor Olgas Abreise aus der Heimatsstadt hatte Olga in sich steigernder Unruhe verlebt, für die ursprünglich kein Grund bewußt geworden war. Später hatte sie der Gedanke gepeinigt: in ihrer Abwesenheit werde der Mutter etwas zustoßen. In der frühen Kinderzeit war sie gegen die Mutter immer trotzig und feindselig gewesen, hatte sich aber später (namentlich im Pubertätsalter) stets als sehr zärtliche Tochter gezeigt. Die frühen feindseligen Regungen, deren Wiederaufleben mit negativem Vorzeichen die Angst um die Mutter vor der Abreise zeigt, hängen mit dem „Bildausfall“ innig zusammen. Die Unmöglichkeit, sich die Mutter vorzustellen, erweist sich als ein Durchbrechen des Todeswunsches in verhüllter Form und die mit ihm verbundenen Affekte des Schreckens und Schmerzes als Reaktionsleistungen.

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