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Hitschmann, E. (1915). 2. Ein Fall von Zwangsbefürchtung vom Tode des gleichgeschlechtlichen Elternteiles. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 3(2):105-106.

(1915). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 3(2):105-106

2. Ein Fall von Zwangsbefürchtung vom Tode des gleichgeschlechtlichen Elternteiles

Eduard Hitschmann

Eine sechzehnjährige Kranke, dio ich mehrmals im Gespräch und durch die Angaben ihrer Mutter kennen lernte, verriet — ohne längere Analyse — eklatant das von Freud herausgehobene und psychoanalytisch gedeutete Bild der „Befürchtung, es könnte der Mutter etwas geschehen“ und gleichzeitig Andeutungen von Todeswünschen auf die Mutter (aus deren mißlungener Verdrängung eben die neurotische Befürchtung entspringt).

Der Backfisch Trude zeigt seit fünf bis sechs Jahren wechselnd heftige Angst davor, ohne die Mutter zu Hause bleiben zu müssen, ohne die Mutter in Unterrichtsstunden zu gehen u. dgl. Vor den Ausgängen der Mutter, der die Tochter sichtlich überzärtlich zugetan ist, äußert sie oft unter Tränen große Angst, „der Mutter könnte etwas passieren, sie könnte sterben, verunglücken oder überfahren werden“. Die Mutter wird gebeten, zu Hause zu bleiben, und verzichtet (nicht zu energischer Strenge veranlagt) oft tatsächlich auf Theaterbesuch oder dgl. Auch wird die Mutter vor dem Abschied dringend gebeten, „der Tochter alles Böse, was sie gegen die Mutter gedacht, gesagt oder getan, noch rasch zu verzeihen“. Ganz ähnlich benimmt sich das kleine Fräulein, wenn es zu Bette geht: Von einem pedantischen Zurechtlegen der Kleider abgesehen („um wenigstens zu dieser Stunde gehorsam zu sein“) —, muß auch abends die Mutter Verzeihung geben, und die Tochter gibt erst Ruhe und geht erst zur Ruhe, wenn sie nochmals Licht angezündet und der Mutter Antlitz nochmals gesehen hat.

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