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Mann, T. Hitschmann, E. (1915). „Der Tod in Venedig.“. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 3(2):124-126.

(1915). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 3(2):124-126

„Der Tod in Venedig.“

Review by:
Thomas Mann

E. Hitschmann

Diese überaus fein stilisierte Novelle interessiert aus verschiedenen Gesichtspunkten auch den Psychoanalytiker. Sie ist eine jener seltenen Dichtungen, die das ewige, dichterische Hauptproblem, die Liebe, unbefangen an einem gleichgeschlechtlichen Objekte exemplifizieren. Es wird in künstlerischer Weise, mit allen Zeichen echter, aus dem Unbewußten entstammender Phantasie, das Verlieben eines über 50jährigen Dichters in einen Knaben geschildert. Die Persönlichkeit des Dichterhelden — übrigens eines Witwers nach früher, kurzer, kinderloser Ehe — ist von resigniert vornehmem Charakter, und nicht nur auf der absteigenden Lebenslinie, sondern auch von einer gewissen morbiden Dekadence. Mit der Abreise des Mannes aus seiner deutschen Heimat setzt die Novelle ein und endet mit dem Tode des Helden, der nach längerem Aufenthalt in Venedig der Cholera erliegt. Eben dieser Aufenthalt auf dem Lido ist ganz von seiner homosexuellen, platonischen Liebe erfüllt. Die homosexuelle Empfindung ist ihm ein unstatthaftes, inneres Erlebnis, eine exotische Ausschweifung des Gefühles. Doch wird auf infantil Erlebtes angespielt: „Ehemalige Gefühle, frühe, köstliche Drangsale des Herzens, die im strengen Dienste seines Lebens erstorben waren und nun so sonderbar gewandelt zurückkehrten.“

Müde

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