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Friedjung, J.K. (1915). 1. Die typische Eifersucht auf jüngere Geschwister und Ähnliches. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 3(3):154-155.

(1915). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 3(3):154-155

Mitteilungen

1. Die typische Eifersucht auf jüngere Geschwister und Ähnliches

Josef K. Friedjung

Jeder vorurteilsfreie Beobachter kennt die Eifersucht, mit der erstgeborene Kinder einem nachgeborenen Geschwister begegnen. Der Zwang, sich in die Liebe der Eltern und Pflegerinnen, über die sie bis dahin allein verfügen konnten, nunmehr mit einem zweiten teilen zu müssen, führt zumeist zu einer Einstellung, die sich oft in naiven Äußerungen des Hasses gegen den Eindringling kundgibt. Ist der Altersunterschied groß, d. h. etwa 5 Jahre oder mehr, so zeigt diese Einstellung meist bald einen ambivalenten Charakter: Das größere Kind, besonders ein Mädchen, findet rasch auch Pflegerinteressen an dem kleinen und zieht so bald auch Lustgewinn aus der anfangs nur peinlich empfundenen Änderung seiner Lage. Unverkennbar also wird das psychische Verhalten und mit der Zeit der Charakter des älteren Kindes durch die Geburt des jüngeren Kindes beeinflußt, und zwar in einer typischen Richtung. — In den Beobachtungen, die ich kurz mitteilen möchte, war dieser Eindruck besonders aufdringlich:

1.   Das nicht ganz sechsjährige Töchterchen eines gesunden jüdischen Ehepaares bekommt einen Bruder. Für einige Tage aus diesem Anlasse bei einer Tante untergebracht, ist das sonst fügsame Kind auffällig ungebärdig. Es weint: „Man wird das Kind in mein Bett legen.“ Die Tante äußert in richtiger Voraussicht: „Mit der wird man es jetzt nicht leicht haben.

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