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Hitschmann, E. (1915). 1. Franz Schoberte Schmerz und Liebe. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 3(5):287-292.

(1915). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 3(5):287-292

Mitteilungen: Verschiedenes

1. Franz Schoberte Schmerz und Liebe

Eduard Hitschmann

„Ich empfing die Gabe des Schmerzes, und da ward ich Skalde.“

Ibsen.

Franz Schubert gilt nicht nur als unübertroffener Meister des Liedes und als der größte musikalische Lyriker, sondern auch als der phantasiereichste, fruchtbarste Tondichter. „Schubert hat Töne für die feinsten Empfindungen, Gedanken, ja Begebenheiten und Lebenszustände. So tausendgestaltig sich des Menschen Dichten und Trachten bricht, so vielfach die Schubertsche Musik“ (Robert Schumann). Im anscheinenden Gegensatz hiezu ist sein Leben so arm an äußeren Ereignissen, daß sich seine kürzer gefaßten Biographen ent-schuldigen zu müssen glauben, die wenigen uninteressanten Daten vorzulegen, — die ausführlichen aber, daß sie jede Einzelheit dieses bescheidenen Lebens zusammentragen. Vom Vater in die Musik eingeführt, zeigte sich Franz, allen seinen Lehrern vorauseilend, alsbald von überragender Begabung und komponiert bereits vor seinem 10. Lebensjahre. Von seiner späteren Produktion wissen wir, daß sie in echt künstlerischer Weise eine sozusagen hellseherische, überraschend schnelle war, häufig am frühen Morgen die während der Nacht geistergleich aufgetauchten Ideen fixierend. Auch sonstige Angaben über Schuberts Wesen enthalten nichts Auffallendes: er war still, schüchtern, hilflos und in sich gekehrt, naturschwärmerisch, aber auch frohsinnig, im Bohěme-leben exzedierend, in Geselligkeit mit Freunden beliebt und belebend.

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