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Reik, T. (1920). Über kollektives Vergessen. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 6(3):202-215.

(1920). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 6(3):202-215

Über kollektives Vergessen

Theodor Reik

In der psychoanalytischen Literatur hat das kollektive Vergessen meines Wissens noch keine Behandlung gefunden. Dafür mögen mehrere Gründe bestimmend gewesen sein: die Psychoanalyse ging von dem Bemühen aus, die seelischen Erscheinungen des Einzelnen zu verstehen und wurde gerade durch das Eindringen in diese erst spät dazu gedrängt, sich mit den Phänomenen der Massen-psycho zu beschäftigen. Die technischen Möglichkeiten) Fälle gemeinsamen Vergessens zu analysieren, sind gering; die Erscheinung selbst nicht allzu häufig. Die Annahme aber, daß die Psychoanalyse, welche die psychischen Motive und Mechanismen im individuellen Vergessen aufdecken konnte, berufen ist, auch diese Erscheinungen in ihrer Genese zu erfassen, ist gewiß berechtigt. Die Analyse des folgenden besonders schönen Falles von kollektivem Vergessen darf freilich nur Anspruch darauf erheben, als Anfang einer solchen Bemühung angesehen zu werden.

In einer kleinen Gesellschaft von Akademikern, in der sich auch zwei Studentinnen der Philosophie befanden, sprach man von den zahlreichen Fragen, welche der Ursprung des Christentums der Kulturgeschichte und Seligionswissenschaft aufgeben. Die eine der jungen Damen, welche sich am Gespräch beteiligte, erinnerte sich, in einem englischen Roman, den sie kürzlich gelesen hatte, ein anziehendes Bild der vielen religiösen Strömungen, welche jene Zeit bewegten, gefunden zu haben. Sie fügte hinzu, in dem Roman werde das ganze Leben Christi von der Geburt bis zu seinem Tode geschildert; doch wollte ihr der Name der Dichtung nicht einfallen. Auch drei von den anwesenden Herren behaupteten, den Roman zu kennen und bemerkten, daß auch ihnen sonderbarerweise der Name nicht zur Verfügung stehe. Also eine Art kollektiven Namenvergessens.

Es war nun interessant zu beobachten, daß die Personen, die ihr Gedächtnis in so merkwürdiger Art gleichzeitig im Stiche gelassen hatte, verschieden auf ihre Vergeßlichkeit reagierten.

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