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Hug-Hellmuth, H. (1920). Dr. med. M. v. Kemnitz, Erotische Wiedergeburt. (Verlag von E. Reinhardt, München 1919.). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 6(3):285-286.

(1920). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 6(3):285-286

Dr. med. M. v. Kemnitz, Erotische Wiedergeburt. (Verlag von E. Reinhardt, München 1919.)

Review by:
Hermine Hug-Hellmuth

Die Verfasserin verfügt über reiche Kenntnisse in der Entwicklungsgeschichte. Und solang sich ihre Ausführungen auf dem Gebiete des Organischen bewegen, sind die Gedankengänge klar, eindeutig und übersichtlich. Die Verworrenheit beginnt, sobald sie auf das psychosexuelle stößt. Sie begeht den gefährlichsten Fehler vieler Gegner der Freudschen Lehre: sie vermischt Freud sche Erkenntnisse mit den Theorien anderer und bedient sich festgelegter Termini in einem der psychoanalytischen Forschung fremden Sinn. Daß Kemnitz einen Teil der Freudschen Thesen, ohne es zu wissen, zum Unterbau ihrer Arbeit macht, zeigt, wie kein erster Forscher, dem es um die Ergründung der tiefsten Zusammenhänge zu tun ist, sich der psychoanalytischen Denkweise zu verschließen vermag; aber sie verwirrt die Begriffe. So schreibt sie (S. 78): „Die Gesetzmäßigkeit der Sexualität im Einzelleben wird für das ganze Leben im hohen Grade bestimmt durch die Art der ersten Erlebnisse der sexuellen Beglückung in der Jugendzeit.“ Natürlich handelt es sich weder bei den frühen sexuellen Erlebnissen nur um das, was Kemnitz „sexuelle Beglückung“ nennt, noch ist genügend betont, daß die Geschehnisse in der ersten Kindheit von der ausschlaggebenden Bedeutung sind. Die sexuelle Anästhesie des Weibes sucht Kemnitz aus anatomisch-physiologischen Bedingtheiten zu erklären; „die Frigidität ist keine Krankheit und hat mit Kälte nicht das Geringste zu tun, sondern ist eine Folge der wachsenden Geburtsschwierigkeiten und ist letzten Endes mit der Fortentwicklung des menschlichen Großhirns in innigem ursächlichen Zusammenhang“.

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