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Goja, H. (1920). Halluzinationen eines Sterbenden. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 6(4):357-359.

(1920). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 6(4):357-359

Halluzinationen eines Sterbenden

Hermann Goja

Die Berichte von Menschen, welche in Lebensgefahr gestanden, ergänze ich durch die Niederschrift eines eigenen Erlebnisses aus der elften Isonzo-schlacht, die sich von allen früheren Aufzeichnungen dadurch unterscheidet, daß sie gleichzeitig eine Analyse der erlebten Halluzinationen gibt und somit einen tieferen Einblick in das Seelenleben eines Sterbenden gewährt. Gleichzeitig gestattet sie einen Blick in den Mechanismus der Halluzinationen. Ich gebe den

Vorbericht. Nach einem dreistündigen schweren Trommelfeuer, das unsere Nerven stark hergenommen hat, setze ich mich in den Unterstand, ein Häuschen aus Fußbodenbrettern, das an eine 2 Meter hohe Felswand angebaut ist. Der Unterstand ist von Verwundeten gefüllt, die ich hineinschaffen habe lassen. Ich kauere mich in einen Winkel der Bude, ein Kamerad, der keinen Platz mehr findet, hockt sich auf mich. Es ist einbrechende Nacht. Der Feind wirft zahllose leichte Minen. Der Rest der Kompagnie steht draußen an die Wand gedrückt. Plötzlich fällt eine Mine auf den Kalkfelsen, kollert herab und stürzt auf das Dach der Bude. Ich höre das Aufschlagen des Eisenstückes und während mich die Erkenntnis des Sachverhaltes durchblitzt, schreien draußen die Leute schon auf und ergreifen die Flucht. Ich suche mich aufzurichten, den Kameraden wegzudrücken, da wendet sich dieser um und sagt: „Was willst du noch, wir sind doch verloren!“ Darauf antworte ich: „Recht hast du!“ und sinke zurück an die Wand.

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