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Vollrath, U. (1921). „Anadyrskaja bolj.“. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 7(2):209-211.

(1921). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 7(2):209-211

„Anadyrskaja bolj.“

U. Vollrath

Kennan erwähnt in seiner Reiseschilderung „Zeltleben in Sibirien“ (Meyers Volksbücher, S. 319 ff.) einen eigenartigen Krankheitszustand, dem er unter Übernahme der Bezeichnung der Eingeborenen Nordostsibiriens den Namen „Anadyrskaja bolj“ (Anadyrsche Krankheit, nach der zur Zeit Kennans 1865/66 etwa 200 Einwohner zählenden, unter dem Polarkreis gelegenen Dorfgruppe Anadyrsk) beilegt. Er erfuhr davon zuerst, als er sah, wie ein Kosak seiner Begleitung einem anderen ihn besuchenden Kosaken nach langem Suchen unter seinen Habseligkeiten auf dessen Bitten ein altes, zerissenes, schmutziges Halstuch aushändigte und nach dem Grunde dafür fragte. Der Kosak erwiderte ihm, die Tochter des Besuchers habe die Anadyrskaja bolj und verlange in diesem Zustande gerade ein Halstuch und da sein altes das einzige in der ganzen Ansiedlung Gishega sei, so müsse er es geben, wenn es auch abgerissen, schmutzig und nicht zu gebrauchen sei. Kennan gibt dann folgende Schilderung.

„Die Anadyrskaja bolj, so genannt, weil sie in Anadyrsk zuerst aufgetreten war, stellte eine besondere Art Krankheit vor, die sehr viel Ähnlichkeit mit der modernen spiritistischen „Verzückung“ hatte, in Nordostsibirien schon seit langem herrschte und allen gewöhnlichen Heilmitteln und Arten der Behandlung Trotz bot. Die davon befallenen Personen, in der Regel Frauen, verloren das Bewußtsein, erlangten plötzlich die Fähigkeit, in Sprachen zu reden, die sie nie gehört hatten, besonders in der Gakoutsprache, und waren zeitweilig mit einer Art „zweiten Gesichts“ begabt, das sie befähigte, Dinge genau zu beschreiben, die sie nicht sehen konnten oder niemals gesehen hatten.

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