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Reich, W. (1921). Kindliche Tagträume einer späteren Zwangsneurose. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 7(4):460-467.

(1921). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 7(4):460-467

Kindliche Tagträume einer späteren Zwangsneurose

Wilhelm Reich

Folgende Tagträume wurden von einer Patientin, die die Analyse wegen Minderwertigkeitsgefühlen und Depressionszuständen aufgesucht hatte, im zweiten Monat der Behandlung auf Verlangen des Analytikers aus der Erinnerung niedergeschrieben. Sie enthalten so viel Typisches, daß sie hier nur mit dem notwendigsten Kommentar versehen wiedergegeben werden. Ihre Durchsichtigkeit ist auf Rechnung des Umstandes zu setzen, daß sich die Patientin stets als Knabe träumte, ohne daß ihr jemals ihre Identität zu Bewußtsein gekommen wäre. (Zensurerleichterung betreffs der Inhalte infolge Projektion des Trägers derselben.) Minderwertigkeitsgefühl und Depressionszustände waren lediglich als symptomatische Folgeerscheinungen einer psychischen Konstellation aufzufassen, die die Patientin von der Pubertät ab ein Leben führen ließ, das nicht interessebedingt war, sondern in den großen und kleinen Begebenheiten des Alltags aus Geboten und Verboten bestand. Klagen über Interesselosigkeit („mir geht eigentlich gar nichts nahe“), Zweifel an allem, Gedanken wie Tat, daneben ein narzißtisches Streben, sich geltend zu machen, beherrschen das Krankheitsbild.

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