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Peine, S. (1922). Von den neurotischen Wurzeln des gesteigerten Variationsbedürfnisses, insbesondere in der vita sexualis: Zugleich ein Beitrag zum Problem des Interessenwandels. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 8(2):191-198.

(1922). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 8(2):191-198

Von den neurotischen Wurzeln des gesteigerten Variationsbedürfnisses, insbesondere in der vita sexualis: Zugleich ein Beitrag zum Problem des Interessenwandels

Siegfried Peine

Das Interesse, mit dem wir einer Person oder einer Sache begegnen, ist, wie wir alle aus Erfahrung wissen, lebhaften Schwankungen ausgesetzt. Die Intensität, mit der wir uns zu anderen hingezogen fühlen, wechselt. Soweit es sich dabei um einen Wechsel handelt, der etwa durch sachliche Momente bedingt ist, wie beispielsweise eine längere räumliche Trennung, die eine engere Fühlungnahme ausschließt, oder soweit ein Einstellungsumschwung aufkommt, der durch Erfahrungen, z. B. im persönlichen oder beruflichen Verkehr herbeigeführt wurde, ist die Veranlassung ohneweiters klar und einleuchtend. Weniger ist dies der Fall bei jenen Persönlichkeiten, die sich heute dieser, morgen jener Sache, heute dieser, morgen jener Liebhaberei zuwenden, zuerst mit Feuereifer dabei sind und dann plötzlich „abklappen“, um sich wieder auf etwas anderes zu werfen, oder die von einer Freundschaft zur anderen, von einer Liebesbeziehung zur anderen eilen, nirgends rechte Ruhe und Befriedigung finden und eigentlich stets auf der Suche sind nach neuen Objekten ihres Interesses und ihrer Zuneigung. Viele solcher Fälle tragen deutlich neurotisches Gepräge. Diese Menschen handeln unter einem inneren Zwange, der sie immer nur kurze Zeit bei einer neu angeknüpften persönlichen oder sachlichen Beziehung verweilen läßt, sie immer wieder fortreißt und aufs neue Ausschau nach Stützpunkten, nach Anlehnungs- und Betätigungsobjekten halten läßt. „Kaum gegrüßt — gemieden“, könnte man das Lebensleitmotiv solcher Personen nennen.

Im

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