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Künkel, F. (1922). Eine hypnopause Vorstellung: Beitrag zum Problem des Erwachens. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 8(2):199-203.

(1922). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 8(2):199-203

Mitteilungen

Eine hypnopause Vorstellung: Beitrag zum Problem des Erwachens

F. Künkel

Die Vorgänge, die sich in der Seele während des Erwachens aus dem Schlafe abspielen, sind bisher nur sehr wenig erforscht. Aber es steht zu erwarten, daß sich von hier aus ein neuer Zugang zu den Problemen des Schlafzustandes und der Traumpsychologie gewinnen lassen wird. Und darum dürfte die folgende, bisher allerdings vereinzelt gebliebene Beobachtung einer eingehenden Erörterung wert sein.

Eine junge Frau, die mit der psychoanalytischen Technik vertraut ist erwacht eines Morgens mit den Worten: „Kannst du ihm die Analyse denn nicht auflösen?“ Unmittelbar darauf gibt sie sich Rechenschaft darüber, daß sie soeben im Traum einen großen Knoten gesehen habe, der aus einer starken Schnur geschlungen war, und daß ihr, noch während sie die Frage aussprach, der Gedanke vorschwebte, man müsse an dem herunterhängenden Ende der geträumten Schnur ziehen, da man nur so den Knoten entwirren könne.

Die Analyse des Traumbildes ergab, daß die Träumerin sich um die Krankheit einer Freundin Sorgen machte. Sie war in den letzten Tagen tatsächlich mehrfach für die analytische Behandlung dieser Freundin eingetreten, und dieser Wunsch hatte in Verbindung mit einigen Tagesresten das Traumbild des aufzulösenden Knotens erzeugt. In einer tieferen Schicht aber ließ sich eine Identifizierung von „Analyse“ mit „Sexualverkehr“ nachweisen und im Zusammenhang hiermit der Wunsch, die analytische Behandlung jener Freundin möge nicht Zustandekommen.

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