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Abraham, K. (1922). Zur Psychopathologie des Alltagslebens: Über Fehlleistungen mit überkompensierender Tendenz. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 8(3):345-348.

(1922). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 8(3):345-348

Mitteilungen: Zur Psychopathologie des Alltagslebenso

Zur Psychopathologie des Alltagslebens: Über Fehlleistungen mit überkompensierender Tendenz

Karl Abraham

Von allen den vielgestaltigen Erscheinungen, welche Freud in seiner „Psychopathologie des Alltagslebens“ beschrieben hat, läßt sich durchwegs aussagen, daß sie mit den bewußten Intentionen des Individuums in Widerspruch stehen. Die den bewußten Interessen zuwiderlaufende Tendenz hat aber in verschiedenen Formen der Fehlleistung verschiedene Schicksale. Sie kann der Verdrängung zum Opfer fallen. Dies geschieht beispielsweise, wenn wir Worte, Eigennamen usw. vergessen. In dem von Freud gegebenen Beispiel „aliquis“ verhindert das Vergessen dieses Wortes das Bewußtwerden bestimmter unlustbetonter Assoziationen. Anders ist der Effekt des Versprechens oder des Verschreibens. Hier drängt sich die dem Bewußtsein nicht genehme Tendenz störend in die bewußt beabsichtigte Leistung ein. Man könnte die Fehlleistungen mit Rücksicht auf ihren Effekt in zwei Gruppen sondern, je nachdem die vom Bewußtsein abgelehnte Tendenz zum Verstummen gebracht wird oder sich wenigstens in Andeutungen äußern darf.

Schon früher waren mir in meinen Psychoanalysen Fehlleistungen aufgefallen, die einer dritten, in der „Psychopathologie des Alltagslebens“ nicht erwähnten Spielart anzugehören schienen. Neuerdings bot mir eine Patientin Beispiele solcher Art in einer gewissen Häufung. Dies ist der Anlaß zu der vorliegenden kleinen Mitteilung.

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