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Rigall (1925). Pfister, Dr. Oskar: Die Liebe vor der Ehe und ihre Fehlentwicklungen. Tiefenpsychologische Untersuchungen im Reiche des Eros. 1925. Verlag Ernst Bircher A.-G., Bern und Leipzig.. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 11(3):378-379.

(1925). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 11(3):378-379

Pfister, Dr. Oskar: Die Liebe vor der Ehe und ihre Fehlentwicklungen. Tiefenpsychologische Untersuchungen im Reiche des Eros. 1925. Verlag Ernst Bircher A.-G., Bern und Leipzig.

Review by:
Rigall

In dem 500 Seiten starken Bande setzt der verdienstvolle Popularisator der PsA. seine Arbeit fort, deren 1. Band die „Liebe des Kindes und ihre Fehlentwicklungen“ behandelte. Die Liebe vor der Ehe ist für den Verf. nur dann keine Fehlentwicklung, wenn sie auf die Ehe, „die sinnliche und sittliche Lebensgemeinschaft“ hinzielt („wenn sie auch oft ihr heiliges Ziel nicht erreicht“), und wenn sie bis zur Schließung des Ehebündnisses zur sexuellen Enthaltsamkeit fähig ist.

Wir wollen die Absicht, die der Autor auch in diesem Buche bekundet, im breiteren Publikum Verständnis für die PsA. zu wecken, und die Darbietung einer Fülle instruktiver Beispiele gern anerkennen, wenngleich er der Gefahr, der popularisierenden Darstellung von den Ansprüchen strenger Wissenschaftlichkeit mehr oder weniger zu opfern, nicht entgeht. Im übrigen können wir nicht mit der moralisierenden Tendenz einverstanden sein, deren Eindruck man sich nicht entziehen kann, obgleich sich der Verf. immer wieder dagegen verwahrt, moralisieren zu wollen. Geht es an, die mannigfachen individuellen Formen der Liebeserlebnisse nach einem bestimmten moralischen Kodex daraufhin beurteilen zu wollen, ob sie als gesund oder als Fehlentwicklung anzusehen sind? Darf man Goethes Liebesleben unter solchem Gesichtspunkt betrachten? In dem Buche sind die Grenzen des Gesunden und Normalen so eng gezogen, daß nur wenige Individuen mit einer guten Zensur wegkommen würden.

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