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Schneider, E. (1932). Stern, Erich: Anfänge des Alterns. Ein psychologischer Versuch. Leipzig, Georg Thieme. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 18(2):258.

(1932). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 18(2):258

Stern, Erich: Anfänge des Alterns. Ein psychologischer Versuch. Leipzig, Georg Thieme

Review by:
Ernst Schneider

In meiner Jugend sah ich in manchen Häusern ein Bild hängen, die Altersstufen darstellend. Auf einer auf-, dann absteigenden Treppe standen die Vertreter der einzelnen Altersstufen. Darunter stand geschrieben: „Zehn Jahr ein Kind, zwanzig Jahr junggesinnt, dreißig Jahr rascher Mann, vierzig Jahr wohlgetan, fünfzig Jahr Stillestand, sechzig Jahr geht's Alter an, siebzig Jahr ein Greis, achtzig Jahr schneeweiß, neunzig Jahr gebückt zum Tod, hundert Jahr Gnade bei Gott.“ Auf der obersten Stufe steht der Fünfziger. Es entspricht das nicht den Tatsachen, wie sie Stern in seiner Schrift aufzeigt, wohl aber dem Bestreben, die Anfänge des Alterns zu verleugnen und sie möglichst spät zur Kenntnis zu nehmen. Das erklärt auch das Fehlen wissenschaftlicher Arbeiten über die vom Verfasser bearbeitete Frage. „Das liegt“, meint er, „vielleicht weniger an der Schwierigkeit des Gegenstandes als an der dem Menschen eigentümlichen Abneigung, den eigenen Verfall auch noch zum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung zu machen“. Die Arbeit des Verfassers ist daher sehr verdienstlich; sie unternimmt es, den Narzißmus der Menschen, insbesondere der Psychologen, herabzuschrauben und die Tatsachen und Probleme des Alterns aufzudecken. Er findet diese bereits in den dreißiger und besonders in den vierziger Jahren vor. Man sieht, daß der Verfasser auch die Psychoanalyse kennt. Ein Analytiker, der sein Material aus den Analysen zusammenstellen würde, könnte noch manche Ergänzungen liefern. Vielleicht würde er die seelischen Äußerungen des Alterns mit denjenigen der Todestendenz, die das ganze Leben des Menschen begleitet, in Beziehung bringen, und er könnte so wahrscheinlich das Problem noch in umfassenderer Weise zur Bearbeitung stellen.

Ernst

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