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Reich, W. (1932). Der masochistische Charakter: Eine sexualökonomische Widerlegung des Todestriebes und des Wiederholungszwanges. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 18(3):303-351.

(1932). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 18(3):303-351

Der masochistische Charakter: Eine sexualökonomische Widerlegung des Todestriebes und des Wiederholungszwanges

Wilhelm Reich

I) Zusammenfassung der Anschauungen

Die voranalytische Sexualwissenschaft war im wesentlichen der Ansicht, daß der Masochismus als spezielle Triebrichtung die Tendenz darstelle, im Erdulden von Schmerz oder in moralischer Erniedrigung Befriedigung zu finden. Da beide Ziele unlustvoll sind, war von vornherein das Problem, wie Unlust triebhaft gewollt werden und sogar Befriedigung schaffen kann, der Kern der Frage nach dem Wesen des Masochismus. Es bedeutete nur einen Aufschub der Lösung, wenn man sich mit einem terminus technicus behalf; der Ausdruck „Algolagnie“ sollte den Tatbestand umschreiben, daß man Lust durch Geschlagen-, bezw. Erniedrigtwerden gewinnen will. Manche Autoren ahnten richtige Zusammenhänge, wenn sie bestritten, daß der Masochist die Schläge wirklich anstrebt, und behaupteten, daß das Geschlagenwerden nur die Vermittlerrolle beim Erlebnis der lustvollen Selbsterniedrigung spiele (Krafft-Ebing). Wie immer dem sei: Die wesentliche Formulierung blieb: Was der normale Mensch als Unlust empfindet, wird vom Masochisten als Lust perzipiert oder dient wenigstens als Lustquelle.

Die psychoanalytische Durchforschung der latenten Inhalte und der Dynamik des Masochismus sowohl in seinen moralischen als auch erogenen Anteilen brachte eine Fülle neuer Einsichten.

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