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Burlingham, D.T. (1939). Phantasie und Wirklichkeit in einer Kinderanalyse. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 24(3):292-303.

(1939). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 24(3):292-303

Phantasie und Wirklichkeit in einer Kinderanalyse

Dorothy Tiffany Burlingham

In den Analysen der Latenzperiode sind uns die bewußten Phantasieprodukte des Kindes ein besonders willkommenes Material. Die größere Starrheit der Ichbildung nach dem fünften oder sechsten Lebensjahr wirkt als Hemmnis gegen das freie Agieren der unbewußten Regungen in den Spielhandlungen oder im Übertragungsverhalten des Kindes. Gleichzeitig ist die Intellektualisierung der verdrängten Triebregungen noch nicht weit genug vorgeschritten, um dem Kind die Mitteilung im Gespräch so verlockend erscheinen zu lassen wie später in der Vorpubertät und in der Pubertät, Dafür nehmen in jenen Fällen, in denen die bewußte Phantasietätigkeit nicht von der neurotischen Hemmung betroffen ist, die Tagesphantasien — lang ausgesponnene fortgesetzte Tagträume, märchenähnliche Kurzgeschichten, einmalig auftauchende Phanlasiebilder — einen großen Raum im Bewußtsein des Kindes ein. Da ihr unbewußter Inhalt dem Phantasierenden unbekannt bleibt, besteht in diesem Alter nicht mehr Widerstand gegen ihre Mitteilung als gegen die Mitteilung von Nachtträumen.

Wir sind gewöhnlich enttäuscht, wenn wir der Versuchung nachgeben, diese Tagesphantasien derselben Deutungstechnik zu unterwerfen wie die wirklichen Träume. Die Arbeitsweise des Primärvorgangs, Verschiebungen, Verdichtungen, die Darstellung durchs Gegenteil, die Verwendung von Symbolen ist zwar leicht in ihnen nachzuweisen, die Überarbeitung durch den Sekundärvorgang spielt aber eine ganz andere Rolle als in den Nachtträumen.

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