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Ertle, C. (1998). Zur Psychoanalyse von Umweltzerstörung — Folgerungen für die Pädagogik. Jahrb. Psychoanal., 40:197-222.

(1998). Jahrbuch der Psychoanalyse, 40:197-222

Beiträge zur angewandten Psychoanalyse

Zur Psychoanalyse von Umweltzerstörung — Folgerungen für die Pädagogik

Christoph Ertle

Alexander Mitscherlich beginnt sein Buch „Die Unwirtlichkeit unserer Städte — Anstiftung zum Unfrieden“ mit einer Vorbemerkung. Der einleitende Absatz lautet:

„Dieses Buch gehört zu der in Vergessenheit geratenen Gattung der Pamphlete. Es möchte keinen einzelnen Missetäter anprangern, sondern den Trübsinn der Zeit in einer Sache, die sich ändern ließe — mit etwas Mut zur Einsicht. Aber dieser Mut ist nicht gefragt; der Motivation dieser Mutlosigkeit gilt der Hauptstoß, den das Pamphlet versetzen will“ (1965, 7).

Mich hat dieses 1965 erschienene Buch über den beklemmenden Inhalt hinaus immer wieder auch deshalb so beschäftigt, weil es den schwierigen Brückenschlag zwischen Psychoanalyse und Sozialwissenschaften versucht. Mitscherlich fragt, wie aus Stadtwüsten wieder Lebensräume werden könnten, und im weiteren, angesichts ökologischer Katastrophen, ob die Erde für unsere Nachkommen noch bewohnbar sein mag: „Wir suchen nach Einsicht, die uns befähigt und vor allem die Kraft gibt, der großen Stadtverwüstung und Landzerstörung Einhalt zu gebieten“ (11). Er verknüpft Nachdenken über den Zustand des Lebensraumes Stadt mit Nachdenken über die prägenden psychischen Kräfte von Phantasie und Phantasielosigkeit und entwickelt in der Folge zentrale sozialpsychologische Überlegungen für eine ökologische Diskussion. Mitscherlich stützt sich dabei auf einen Begriff, der heute in seiner Bedeutung immer wieder mißverständlich interpretiert wird: Die Stadt ist ein „Biotop“ (27, 42) „ein Platz, an dem sich Leben in verschiedenster Gestalt ins Gleichgewicht bringt und in ihm erhält“ (39).

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