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O'Shaughnessy, E. (1999). Die Beziehung zum Über-Ich. Jahrb. Psychoanal., 41:112-134.

(1999). Jahrbuch der Psychoanalyse, 41:112-134

Die Beziehung zum Über-Ich

Edna O'Shaughnessy

Analytische Situationen können sich ganz erheblich voneinander unterscheiden, und es gibt einen spezifischen Unterschied, mit dem ich mich heute beschäftigen möchte. Es handelt sich um den Unterschied zwischen analytischen Situationen, in denen Patient und Analytiker eine Objektbeziehung zueinander haben, und analytischen Situationen, in denen sich Patient und Analytiker als Über-Ich zu Über-Ich aufeinander beziehen.

Diese Vorlesung findet zum Gedenken an Karl Abraham statt. Unmittelbar nachdem Freud die dreiteilige Struktur der Psyche, das Ich, das Es und das Über-Ich, beschrieben hatte, wandte sich Karl Abraham ebenso wie auch Freud der Erforschung des Über-Ichs bei zwei schweren Erkrankungen zu, nämlich bei der Zwangsneurose und der Melancholie. In seiner berühmten Abhandlung „Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido auf Grund der Psychoanalyse seelischer Störungen” (1924) schrieb Abraham, daß nach Freud „beim Melancholiker der […] Objektverlust der fundamentale Vorgang sei, welcher der Zwangsneurose abgehe. Der Zwangsneurotiker”, fährt Abraham fort, „befindet sich zwar in ausgeprägt ambivalenter Gefühlseinstellung zu seinem Liebesobjekt, ängstigt sich vor seinem Verlust, hält es aber letzten Endes fest” (115). Abraham fährt fort: „Der Nachweis dieses Unterschiedes in den beiden Krankheitsprozessen ist von großer Tragweite” ((1924)). Ebendiesen Unterschied, nämlich einerseits die Aufrechterhaltung einer Objektbeziehung mit normalen Über-Ich-Aspekten und andererseits den Verlust der Orientierung auf das Objekt und die an ihre Stelle tretende, ausschließliche Orientierung auf ein pathologisches Über-Ich, möchte ich hier untersuchen. Ich beschreibe zwei Patienten, um den Charakter der analytischen Situation zu illustrieren, in der sich Patient und Analytiker als

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* Karl-Abraham-Vorlesung des Berliner Psychoanalytischen Institutes, Karl-Abraham-Institut, am 10. Mai 1998 in der Kaiserin-Friedrich-Stiftung, Berlin.

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