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Segal, H. (2008). Gebrauch und Mißbrauch von Gegenübertragung. Jahrb. Psychoanal., 56:9-22.

(2008). Jahrbuch der Psychoanalyse, 56:9-22

Klinik der Psychoanalyse

Gebrauch und Mißbrauch von Gegenübertragung

Dr. med. Hanna Segal

Der Begriff »Gegenübertragung« kann ganz verschieden verwendet werden. Freud (1910d) war der Ansicht, daß der Analytiker einen objektiven Blick auf den Patienten haben sollte und daß die Gefühle, die in ihm hervorgerufen werden, von der Gegenübertragung stammen; das heißt, von der Übertragung von Gefühlen gegenüber Objekten der Vergangenheit. Heutzutage ist es, denke ich, allgemein anerkannt, daß der Analytiker in der Tat Gefühle gegenüber dem Patienten hat und daß diese Gefühle oft wertvolle Hinweise darauf geben können, in welcher Beziehung der Patient zu ihm steht. Das schließt die Form von Gegenübertragung, die Freud beschreibt, natürlich nicht aus; nämlich eine Störung im psychoanalytischen Prozeß durch die eigenen unerkannten Probleme des Analytikers.

Die meisten Analytiker verwenden den Ausdruck »Gegenübertragung« recht allgemein, um alle Gefühle oder Phantasien abzudecken, die im Analytiker in bezug zum Patienten hervorgerufen werden, woher auch immer sie stammen.

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* Zuerst erschienen 1997 als Kap. 10 von Psychoanalysis, Literature, and War. London/New York: Routledge (The New Library of Psychoanalysis 27), 111-119. Wir danken dem Verlag und der Autorin für die Genehmigung zum Abdruck.

** Hanna Segal, Dr. med., Lehranalytikerin der Britischen Psychoanalytischen Gesellschaft (Zweig der IPV), arbeitet in privater Praxis in London und war Vorsitzende dieser Gesellschaft sowie stellvertretende Präsidentin der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. Zahlreiche Veröffentlichungen, u. a. Vorstellung und künstlerische Kreativität (1992), Traum, Phantasie und Kunst (1991), Psychoanalysis, Literature and War (1997) sowie Yesterday, Today and Tomorrow (2007).

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