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Hardtmann, G. (2017). »Eine notwendige (?) Lüge wird zur Weltordnung« Franz Kafka: Der Prozess - Josef K. und die einleitende Schrift zum Gesetz. Jahrb. Psychoanal., 74:75-101.
    

(2017). Jahrbuch der Psychoanalyse, 74:75-101

»Eine notwendige (?) Lüge wird zur Weltordnung« Franz Kafka: Der Prozess - Josef K. und die einleitende Schrift zum Gesetz

Gertrud Hardtmann

Kafka zu lesen, ohne seine Tagebücher einzubeziehen, ist wie die Analyse eines Traumes ohne die Assoziationen des Träumers. Denn viele Eintragungen beziehen sich unmittelbar auf seine Arbeiten. »Der Prozess« handelt von einem, auch durch den Tod nicht aufgelösten archaischen, metaphysisch fundierten, depressiven Schamgefühl, das durch Lücken im Charakter (Lügen) weder verstanden noch konkretisiert wurde. Weil das Schamgefühl unverarbeitete Beta-Elemente (Bion 1963 [1992]) enthält, geschieht das teils bewusst, teils unbewusst. Ursache sind frühe unvermeidliche Traumatisierungen durch Desillusionierungen, die nicht empathisch von der Mutter aufgenommen und in verarbeitbarer Form unterstützt wurden und die deshalb zu einem fundamental falschen, weil illusionären Selbst- und Fremdbild geführt haben, das den verführerischen Charakter einer Droge bekommen hat.

Die unbewusste Objektrepräsentanz eines früh verinnerlichten traumatisierenden, zu Empathie unfähigen, unbewusst in einer Selbstlüge befangenen Objekts, z.B. einer Mutter, die aufgrund fehlender kritischer Selbstwahrnehmung zu einer empathischen, offen Liebe und Hass einschließenden Selbst- und Fremdwahrnehmung nicht fähig ist, vermittelt dem Kind ein Gefühl, sich in der Welt und in menschlichen Beziehungen nicht wirklich angenommen (contained) zu fühlen. Regressiv tritt eine religiöse Sehnsucht nach paradiesischem Einssein mit dem Anderen an die Stelle realer Objektbeziehungen. Wird dieser Prozess nicht verstanden, entsteht aus unverarbeiteter Enttäuschung und Festhalten an Illusionen ein Hass auf das Leben und die Menschenfamilie. Schuldgefühle aufgrund von unbewussten Rachephantasien verdecken die verborgene und unverstandene ohnmächtige Wut, die verleugnet wird und durch übermäßige Anpassung und Unterwürfigkeit zu unerträglichen Schamgefühlen führt (Lansky 2007). Die Sehnsucht richtet sich nicht mehr auf reale Objekte, sondern regressiv auf eine nur in der Phantasie existierende metaphysische, paradiesische Welt. Die wiederum macht süchtig nach verführerischen falschen, lügenhaften und illusionären Heilsversprechungen, die an die Stelle von realistischen und realisierbaren Idealen und Wertvorstellungen treten.

Der Preis ist die Aufgabe der für das Selbstverständnis fundamentalen Frage: Was ist das Wichtigste in meinem Leben?, die in der kritischen Auseinandersetzung mit sich selbst und dem Anderen, mit religiösen, ideologischen und kulturellen Traditionen und Vorbildern zu beantworten wäre. Der frühe depressive Rückzug aus Beziehungen verhindert lebendige Verständigungsprozesse (Meyer-Drawe 1990 [2000]), einen emotionalen und intellektuellen Austausch mit seinen unvermeidlichen, normalen menschlichen Verwicklungen und ein empathisches gegenseitiges Verstehen, das Ambivalenz einschließt. Folgen sind eine zunehmende Vereinsamung und bei frühen Störungen (aufgrund stummer, verlogener, uneinfühlsamer verinnerlichten Objektrepräsentanzen) auch ein Versiegen des inneren Dialogs, eine »Versteinerung« der Gefühle und Affekte sowie ein innerer, und oft auch äußerer, Tod.

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