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Maeder, A. (1909). Sexualität und Epilepsie. Jahrbuch für psychoanalytische und psychopathologische Forschung, 1(1):119-154.
   

(1909). Jahrbuch für psychoanalytische und psychopathologische Forschung, 1(1):119-154

Sexualität und Epilepsie

Alphonse Maeder

Aus der psychiatrischen Universitätsklinik in Zürich.

I Die Sexualität der Epileptiker

Die psychiatrische und die forensische Literatur enthält zahlreiche Notizen über die Sexualität der Epileptiker. Eine zusammenhängende Darstellung und Klassifizierung der mannigfaltigen Äußerungen des Geschlechtstriebes dieser Kranken fehlt noch. Ich habe es versucht, in den folgenden Zeilen den Rahmen zu einer solchen Monographie zu geben. Der Aufenthalt in einer Anstalt für Epileptische gab mir die Gelegenheit, ein großes Material über die Frage zu sammeln; ich konnte mich dabei überzeugen, welch große Rolle die Sexualität in dieser Krankheit spielt. In diesem ersten Teile werde ich eine Schilderung der Manifestationen des Geschlechtstriebes geben (zwar lediglich auf meiner Kasuistik fußend, um die Einheit der Auffassung zu bewahren); der Frage nach der Bedeutung der Sexualität für die Krankheit selbst hoffe ich in einem zweiten Teil etwas näher zu treten.

Wie aus Folgendem ersichtlich, wird der Begriff der Sexualität hier sehr weit gefaßt; es wurde damit gemeint alles, was direkt oder indirekt mit der Erzeugung und Erhaltung einer neuen Generation zusammenhängt. So zum Beispiel auch gewisse präliminare Handlungen, wie das Betasten, der Kuß, ferner Phantasien sexuellen Inhaltes, symbolische Darstellungen eines geschlechtlichen Aktes usw.

Als bequemste Einteilung dieser mannigfaltigen Phänomene ergab sich diejenige von Freud, der ich im großen und ganzen gefolgt bin: Auterotismus und Allerotismus.

Beim Allerotismus ist die Libido auf ein Sexualobjekt gerichtet; gewöhnlich handelt es sich um ein Objekt des andern Geschlechtes; wenn nicht, spricht man von Homosexualität.

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