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Vincze, A. (1999). Borderline-Persönlichkeit und Anklammerung. Luzifer-Amor, 12(23):97-116.

(1999). Luzifer-Amor: Zeitschrift zur Geschichte der Psychoanalyse, 12(23):97-116

Borderline-Persönlichkeit und Anklammerung

Anna Vincze

Zusammenfassung

Im Laufe der Therapie mit Borderline-Patienten konnte ich, sofern eine längere therapeutische Beziehung aufzubauen war, entlang der Anklammerung zweierlei Übertragungsmuster beobachten.

Bei Éva und Vera (bei letzterer war die Diagnose nicht das Borderline-Syndrom, aber sie befand sich in der betreffenden Periode in regressivem Zustand) wechselte die idealisierende, positive Übertragung des Anklammerungsdrangs mit der aus der frustrierten Anklammerung herrührenden negativen Übertragung, mit Zorn und Enttäuschung ab. Dieses Übertragungsmuster führte auf längere Sicht zu gutem therapeutischem Ergebnis, zu erheblicher Besserung.

Judit und Eszter können aus dem Zustand der Lähmung nicht herauskommen. Das ursprünglich der Mutter geltende Gefühl wiederholte sich während der Therapie. Die Verdrängung des Anklammerungsdrangs und die Verkrampftheit manifestierten sich in affektiver Zurückgezogenheit, Entsagung, Mißtrauen und wurden somit zum Hindernis der Therapie.

Ich versuchte meine Hypothese, wonach in der Vorgeschichte der Borderline-Patienten - neben anderen, zum Beispiel dem oralen Trauma - auch das Anklammerungstrauma eine Rolle spielen kann, durch eine ambivalente Gefühlsbesetzung der Hände nachzuweisen. Wie wir gesehen haben, kann die Hand bei ein und demselben Patienten durch den Anklammerungsdrang erotische Sehnsüchte, Streicheln, Umarmung, Tragen, Hilfe und Sicherheit bedeuten, - im Falle der Frustration der Anklammerung jedoch zum Organ der Aggression und der Autoaggression werden. Ich leite die Verkrampfung des ganzen Körpers und das Gefühl des Gefesseltseins ebenfalls von der Nichterfüllung des Anklammerungsdrangs her, weil diese die Unnahbarkeit der Mutter, einen hilflosen Zustand zum Ausdruck bringen.

Es versteht sich von selbst: so wie jedes beliebige seelische Trauma in mehreren Krankheitsbildern eine Rolle spielen kann, führt auch das Anklammerungstrauma nicht zwangsläufig zur Borderline-Persönlichkeit. Es kann auch ein Element der Herausbildung anderer Krankheiten (Neurosen, Psychosen, Perversionen) sein. Zur gleichen Zeit verknüpfen sich jedoch bei den Borderline-Patienten das für sie bezeichnende orale und das Anklammerungstrauma miteinander. Die borderlinespezifische Spaltung ist eine Folge beider Traumen. Die innere Repräsentanz der „guten“ beziehungsweise der „schlechten“ Mutter enthält die Sicherheit gewährende, die Anklammerung ermöglichende und auch die abweisende Mutter zugleich.

Die von der Versagung der Anklammerung herrührenden krankhaften Zustände sind in der Persönlichkeit der Mutter verwurzelt. Es ist möglich, daß die Mutter wegen ihrer narzißtischen Einstellung nicht imstande ist, ihr Kind mit Empathie zu beobachten, oder sie findet den Körper des Säuglings befremdlich, oder ist wegen ihrer eigenen Angstgefühle nicht fähig, das Kind zu beruhigen. Wenn das Kind den narzißtischen Ansprüchen der Mutter nicht nachkommen kann, wenn es also „nicht zur Mutter paßt“, wird die gegenseitige Unerfülltheit in einem circulus vitiosus gesteigert, die unerfüllte Anklammerung führt zur gesteigerten Sehnsucht, Aggression und zur Unfähigkeit der Loslösung.

Den Figuren Ingmar Bergmans stehen die Einsamkeit und die Entfremdung der Borderline-Patienten, sowie der Versuch zu deren Lösung nicht fern. In ihrer Angst klammern sie sich oft körperlich aneinander, kommen sich aber dadurch nicht näher, da sie sich nicht verstehen. In ihrem seelischen Leiden verursachen sie entweder sich selbst oder dem anderen Wunden und Qualen. Als könnten wir nichts weiter tun - meint Bergman - als zur Kenntnis nehmen, was für Ängste uns von unterhalb der Oberfläche bewegen.

In den letzten Bildern der „Szenen einer Ehe“ schreckt Mariann aus einem Angsttraum auf:

„Wir mußten eine gefährliche Straße oder was entlanggehen. Ich will, daß ihr mich an der Hand führt, damit wir uns gegenseitig anklammern (vor Angst). Aber es geht nicht. Ich habe keine Hände. Nur ein paar Armstümpfe, die bei den Ellenbogen enden. Ich krieche im weichen Sand. Ich kann mich nicht an euch klammem. Ihr steht dort oben auf der Straße und ich kann euch nicht erreichen“ (S. 628).

Summary

I discuss here the therapy of three borderline cases and one neurotic patient. I approach this from the point of view of Hermann's (1984) theory of clinging. I observe two patterns of clinging in the transference. The typical sequence exhibited by a homosexual borderline patient and by a strongly regressed neurotic one was the following: first the idealizing transference together with the intensification of the „desire to cling“ appeared, followed by the negative phase of angry disappointment, aggression and autoaggression. I assume that this latter phase was primarily a reaction to the unsatisfiability of the desire to cling. In the case of two other female borderline patients the frustration of the desire to cling manifested itself in a form of mental and bodily paralysis, rigidity and inhibition. This repeated a feeling that originally arose in connection with, and typically in the physical presence of the mother.

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