Customer Service | Help | FAQ | PEP-Easy | Report a Data Error | About
:
Login
Tip: To bookmark an article…

PEP-Web Tip of the Day

Want to save an article in your browser’s Bookmarks for quick access? Press Ctrl + D and a dialogue box will open asking how you want to save it.

For the complete list of tips, see PEP-Web Tips on the PEP-Web support page.

Schröter, M. (2018). Attila József: Liste freier Ideen, hg. und übers. von C. Filips u. O. Kalász. Berlin-Schupfart (roughbook) 2017, 110 Seiten. 10 Euro.. Luzifer-Amor, 31(61):188.

(2018). Luzifer-Amor: Zeitschrift zur Geschichte der Psychoanalyse, 31(61):188

Attila József: Liste freier Ideen, hg. und übers. von C. Filips u. O. Kalász. Berlin-Schupfart (roughbook) 2017, 110 Seiten. 10 Euro.

Review by:
Michael Schröter

Ein tragisches Kapitel in der Geschichte der Beziehung von Literatur und Psychonalyse spielte sich Mitte der 1930er- Jahre in Budapest ab, zwischen Attila József, einem der bedeutendsten ungarischen Lyriker, und Edith Gyömröi, die selbst mit Gedichten hervorgetreten und im Juli 1933 noch rasch in die Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft aufgenommen worden war, bevor sie über Prag nach Budapest floh. József litt an psychotischen Störungen, Gyömröi nahm ihn wohl 1935 in Analyse. Nach zwei Wochen wusste sie, dass er nicht zu heilen war; aber sie wollte ihm in einer haltenden Funktion verfügbar bleiben. Der Patient entwickelte eine heftige Übertragungsliebe. Seine Analytikerin - gewiss keine erfahrene Therapeutin - wurde mit der Situation letztlich nicht fertig und gab die Behandlung ab, damit er in eine Klinik eingewiesen werden könne. Im Dezember 1937, ein Jahr nach Ende der Analyse, warf sich József vor einen Güterzug. Edith Gyömröi steht seither in der literarischen Welt Ungarns in dem Verdacht, dass sie am Tod des Dichters schuld gewesen sei.

Am 22. Mai 1936, während der laufenden Behandlung, unternahm Attila Jószef den radikalen Versuch einer Selbstanalyse, indem er im Kaffeehaus ein Schreibheft mit freien Assoziationen füllte. Der Text ist erhalten und wurde jetzt in einer gut lesbaren deutschen Übersetzung vorgelegt. Es ist ein Selbstgespräch, gewollt obszön, im Einzelnen oft kaum verständlich, von Verzweiflung und Wut getragen. Hier eine Kostprobe aus den weniger opaken Passagen: »Ich bin, was ich hier schreibe / einen solchen Menschen würde ich auch nicht lieben können, oder vielleicht doch, vielleicht würde ich ihm so helfen wollen, wie die Gyömröi mir hilft / sie hilft sich damit auch selbst / sie verdient daran, davon lebt sie / die gute Samariterin / Nonne / warum verlange ich nicht auch Geld für alles […] Jetzt weiß ich's: ihr Honorar ist, dass ich zerbreche, wie damals das Lampenglas, als ich Wasser darüber gegossen habe.« Das alles ist weder Mitteilung noch Reflexion noch Dichtung, aber eindrucksvoll als Dokument des Aufeinandertreffens eines großen Dichters mit dem Erlebnis Psychoanalyse.

Michael

[This is a summary or excerpt from the full text of the article. PEP-Web provides full-text search of the complete articles for current and archive content, but only the abstracts are displayed for current content, due to contractual obligations with the journal publishers. For details on how to read the full text of 2016 and more current articles see the publishers official website here.]

Copyright © 2020, Psychoanalytic Electronic Publishing, ISSN 2472-6982 Customer Service | Help | FAQ | Download PEP Bibliography | Report a Data Error | About

WARNING! This text is printed for personal use. It is copyright to the journal in which it originally appeared. It is illegal to redistribute it in any form.