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(1932). Psychoanalyse und Literaturwissenschaft. Psychoanalytische Bewegung, 4(1):89-90.

(1932). Psychoanalytische Bewegung, 4(1):89-90

Psychoanalyse und Literaturwissenschaft

Im Dezemberheft der „Literatur” veröffentlicht Karl Bachier, Chemnitz (den Lesern dieser Zeitschrift bekannt durch seine psychographische Studie über Strindberg, Band II, 1930, S. 365 ff. u. 555 ff), „Aussichten und Abgrenzungen” zum Thema „Psychoanalyse und Literaturwissenschaft”. Kann der engere Konnex der beiden Wissenschaften — fragt er — zu einem sinnvollen Ziel führen oder liegt für die Literaturwissenschaft eine Gefahr in irgendeiner Form vor? „Was den Psychoanalytiker zum Dichter hinzog, war vor allem die Beobachtung, daß das seelische Verhalten des Dichters starke Gemeinsamkeiten mit dem des Neurotikers aufwies. Das dichterische Schaffen erscheint ihm also als ein psychologischer Prozeß, beruhend auf der besonders gearteten Vorherrschaft des Unbewußten. Ja, radikale Geister gingen soweit, den Dichter dem Neurotiker überhaupt gleichzusetzen. Und hier zeigt sich nun auch schlaghaft die erste große und nicht zu unterschätzende Gefahr: die Mißachtung der großen schöpferischen Persönlichkeit in ihrer Einmaligkeit, die zu erkennen bisher immer eins der ersten Ziele der Literaturforschung war. Das Genie ist für den Psychoanalytiker im höchsten Grade uninteressant, ebenso die unantastbare Vollkommenheit eines Kunstwerkes. Ihn fesselt die problematische Gestalt, das unfertige, unvollendete und das durchschnittsmäßige Schaffen. Angesichts des unbedingt Genialen muß der Psychoanalytiker seine Grenzen anerkennen. — Es ist wohl so, daß eine Zusammenarbeit der beiden Wissenschaften niemals eine vollkommene sein kann, sondern lediglich ein Kompromiß. Die Literaturwissenschaft kann von der Psychoanalyse mancherlei Anregung empfangen, z. B. in der Mythenforschung (es sei da nur an die Rekonstruktion des Ausgangs des Hildebrandsliedes gedacht!), ferner möglicherweise durch eine Erweiterung des stofflichen Bereichs des literarischen Schaffens, vielleicht auch für die Revision ihrer Systematik und Ordnungsmethode etwas für sich gewinnen.

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