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Zweig, S. (1932). Das eheliche Mißgeschick Marie Antoinettes. Psychoanalytische Bewegung, 4(2):100-112.

(1932). Psychoanalytische Bewegung, 4(2):100-112

Das eheliche Mißgeschick Marie Antoinettes

Stefan Zweig

Am 16. Mai 1770 führt Ludwig, Dauphin von Frankreich, die Erzherzogin Marie Antoinette als Gattin heim, und feierlich geleitet sein Großvater Ludwig XV. die beiden in das eheliche Schlafgemach. Eigenhändig überreicht er ihm das Nachthemd und die ranghöchste Dame der jungen Gattin das ihre, würdig tritt der Erzbischof von Reims in das Schlafgemach, besprengt es mit Weihwasser und segnet das Bett. Dann bleiben die beiden, Marie Antoinette und Ludwig allein und der Baldachin des Himmelbetts rauscht brokaten nieder, Vorhang einer beginnenden Tragödie.

Denn in diesem Bette geschieht nun zunächst — nichts. Und es gibt einen fatalen Doppelsinn, wenn der junge Ehemann am nächsten Tage in sein Tagebuch einschreibt: „Rien”. Weder die höfischen Zeremonien, noch die erzbischöfliche Segnung des bräutlichen Bettes haben Gewalt gehabt über eine peinliche Hemmung der männlichen — oder vielmehr: unmännlichen — Natur des Dauphin, matrimonium non consumptum est, die Hochzeit ist im fleischlichen Sinne nicht vollzogen, nicht heute, nicht morgen und nicht im nächsten Jahre. Marie Antoinette hat einen „nonchalant mari” gefunden, wie man ärgerlich am Wiener Hofe vermerkt, und zunächst meint man, es sei nur Schüchternheit, Unerfahrenheit oder eine „nature tardive” (wir würden heute sagen, eine infantile Zurückgebliebenheit), die den Sechzehnjährigen bei diesem bezaubernden jungen Mädchen hemme. Kommt Zeit, kommt Rat, denkt die erfahrene Mutter, nur nicht drängen und den seelisch Gehemmten irritieren! So mahnt sie ihre Antoinette, die eheliche Enttäuschung nicht schwer zu nehmen — „point d'humeur ld-dessus” schreibt sie am 8. Mai 1771 ihrer Tochter und empfiehlt ihr „caresses, cajolis”, Zärtlichkeiten, Liebkosungen, aber anderseits wieder nicht zuviel davon, „mais trop d'empressement gâteroit le tout”.

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