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Wittels, F. (1932). Der Lilith-Komplex: Vortrag, gehalten in der New York Psychoanalytic Society am 26. Januar 1932. Psychoanalytische Bewegung, 4(3):197-211.

(1932). Psychoanalytische Bewegung, 4(3):197-211

Der Lilith-Komplex: Vortrag, gehalten in der New York Psychoanalytic Society am 26. Januar 1932

Fritz Wittels

I

1907 habe ich einen weiblichen Typus beschrieben, den ich „das Kindweib” nannte. Seit jener Zeit sind mir einige neue Gesichtspunkte zugewachsen, die im Folgenden erörtert werden. Ich beginne mit einem historischen Bericht, wie ich auf den Typus Kindweib stieß.

In den beiden letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts waren die Dichter mit zwei einander entgegengesetzten Arten von Frauen beschäftigt. Der Sprecher für den einen Typ war Ibsen, der in einer langen Reihe von Stücken — Nora oder ein Puppenheim 1879, Hedda Gabler 1890, Baumeister Solneß 1892 und andere — den Kampf der Frau um Freiheit und Gleichberechtigung mit dem Manne darstellte. Die andere Seite wird am schönsten von Maeterlinck besungen, sein Typ lebt in Märchenland und Mystik. Arthur Schnitzler zeigt in gewissem Sinne eine Reaktion gegen beide diese Typen. Er schuf in den Neunziger Jahren und später eine Wienerische Figur, die in der Literatur als „das süße Mädel” bekannt ist. Das süße Mädel ist die Gestalt eines bürgerlichen Dichters, die sich von einigermaßen hochmütigen Männern lieben läßt und sie mit wenig Bedenken wieder liebt, einfach, süß, ohne besondere Probleme, die den Liebhaber belasten könnten, sie muß und will nicht geheiratet sein. Um 1900 erschienen Troubadours von anderer Art: wilder, radikaler und — wie wir heute verstehen — narzißtisch.

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