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H., E. (1932). STEFAN ZWEIG: „Marie Antoinette”. Inselverlag, Leipzig 1932. Psychoanalytische Bewegung, 4(6):555-557.

(1932). Psychoanalytische Bewegung, 4(6):555-557

STEFAN ZWEIG: „Marie Antoinette”. Inselverlag, Leipzig 1932

Review by:
E. H.

Dieses Werk von Stefan Zweig über Marie Antoinette wird mit Recht bald in Aller Hände sein, so menschlich teilnehmend, so meisterlich vor den Koulissen bewegter Zeit aufgebaut, ist hier das Schicksal „eines mittleren Charakters” abgehandelt. Aus einer anmutigen, heiter-oberflächlichen und genußsüchtigen Kaiserlichen Prinzessin, einer echt österreichischen Mizzi, wird durch die Revolution eine historische tragische Maria. Das Buch weiß Spannung eines Romanes mit historischer Gelehrsamkeit und Bildhaftigkeit eines Filmbuches mit seelischer Analyse zu vereinigen.

Wir wissen, daß der Dichter einer von den wenigen ist, welche die Anwendung der Tiefenpsychologie zum besseren Verständnis der Person in Anwendung bringen; er hat einmal direkt geäußert, daß heute keine psychologische Biographie mehr ohne einen Tropfen freudischen Öles geschrieben werden kann.

Wir waren in der Lage, in dieser unserer Zeitschrift, u. z. im zweiten Heft dieses Jahrganges, ein Kapitel aus dem Buche, unter dem Titel „Das eheliche Mißgeschick Marie Antoinettes”, veröffentlichen zu können. Der Autor hebt darin mit großer Sachkenntnis die Bedeutung der sieben Jahre lang vom königlichen Gatten nicht konsumierten Ehe für die seelische Gesundheit von Mann und Frau hervor; immer noch Jungfrau nach siebenjähriger Ehe, zeigt die junge Königin als Folge eine verhängnisvolle Überlebendigkeit, ein ewiges Hin und Her und Niezufriedensein, ein fahriges Jagen von Vergnügen zu Vergnügen…

Aber nahe dem Ende ihres Lebens muß die durch die Hinrichtung ihres Gatten verwitwete und eingekerkerte, die Guillotine erwartende Märtyrerin noch einmal seelische Folterqualen durchmachen, an denen wieder die damalige Ahnungslosigkeit in sexuell-psychologischen Verhältnissen schuldträgt.

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