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Häfner, H. (1957). von Siebenthal, W.: Schuld und Schuldgefühl bei psychiatrischen Erkrankungen. Zürich (Rascher-Verlag) 1956. 292 Seiten. 18,— DM.. Psyche – Z Psychoanal., 11(4):755-757.

(1957). Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse, 11(4):755-757

von Siebenthal, W.: Schuld und Schuldgefühl bei psychiatrischen Erkrankungen. Zürich (Rascher-Verlag) 1956. 292 Seiten. 18,— DM.

Review by:
H. Häfner

Ein halbes Jahrhundert lang hat die Psychiatrie im Bann einer naturwissenschaftlichen Medizin eine tiefere Beschäftigung mit dem Thema „Schuld“ vermieden. Während Freud schon frühzeitig die pathogene Bedeutung der Schuldgefühle in der Neurose erkannte, galt in der Schulpsychiatrie das Schuldgefühl zumeist nur als Symptom einer körperlich gedachten Krankheit. Der Gedanke an eine „somatische Ursache“ des Schuldgefühls birgt die große Gefahr einer Selbstbeschfrichtigung des Psychiaters in sich. In einer tieferen Auseinandersetzung mit den Hintergründen der Schuld wird nämlich der Arzt seiner durch die Objektivierung des Kranken künstlich geschaffenen Distanz beraubt und von der Unruhe des Fragens berührt, unmittelbar mit einbezogen.

Während in den Neurosen das Schuldgefühl meist aus psychologischen Zusammenhängen heraus verstehbar ist, scheint es in den Psychosen zunächst losgelöst von seiner Sinnbezogenheit dazustehen. Doch ist Schuldgefühl grundsätzlich ein konkretes Gefühl von „etwas“, es ist bezogen auf die Schuld. Schuld als objektivierbarer Gehalt des Schuldgefühls ist ein absolut personbezogenes Faktum. Es gibt sehr wohl quantitative Abstufungen sowohl in der „Größe der Schuld“ als auch in der Intensität des Schuldgefühls. Aber die Tiefe und Intensität des Schuldgefühls ist nicht proportional der Größe der Schuld. Der Mörder ist nicht selten frei von Gewissensbissen; vielleicht, so meint v. Siebenthal, ist zwar das Fehlen von Schuldgefühl grundsätzlich nicht gleichbedeutend mit dem Fehlen von Schuld, aber die Schwere des Schuldgefühls doch ein Hinweis auf die Größe der Schuld.

Ausgehend von der Annahme, daß auch in der Psychose das Schuldgefühl stets bezogen ist auf eine objektive Schuld, stellt sich in erster Linie bei den so außerordentlich häufigen Schulddepressionen die Frage nach dem Hintergrund und dem Wesen des „Versündigungswahns“.

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