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Hess, V. (1958). WANDLUNGEN EINES PARANOIDEN MENSCHEN IN DER PSYCHOTHERAPEUTISCHEN BEGEGNUNG: Ein kasuistischer Beitrag zum Problem der Psychosenpsychotherapie. Psyche – Z Psychoanal., 12(2):131-158.
  

(1958). Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse, 12(2):131-158

WANDLUNGEN EINES PARANOIDEN MENSCHEN IN DER PSYCHOTHERAPEUTISCHEN BEGEGNUNG: Ein kasuistischer Beitrag zum Problem der Psychosenpsychotherapie

Verena Hess

Am 15. September 1955 meldete mir eine Kollegin ihre Patientin, eine 50jährige Säuglingsschwester, die ich hier Lisi Brenner nenne, zur Behandlung an. Die Patientin war ihr vom Schwesternverband zugeschickt worden, weil sie seit April des Jahres keine Arbeit mehr hatte übernehmen wollen. Die Internistin dachte zuerst an eine Hyperthyreose, schloß dann aber aus den wirren Reden der Patientin über die Stimme eines Pfarrers und die „Aktion Zürich-Wollishofen“ auf eine Schizophrenie und bat mich, die Patientin psychotherapeutisch zu behandeln, „wie das neuerdings gemacht werde“. Auf dieses kühne Ansinnen hin versprach ich der Internistin, mein Möglichstes zu tun, unterließ es jedoch nicht, mich hinsichtlich des zu erwartenden Behändlungserfolges pessimistisch zu äußern.

Tags darauf, zur vereinbarten Zeit, begrüßte ich eine kleine, untersetzte, bäuerliche Fünfzigerin in Schwesterntracht mit unbeweglichem Gesicht. Ihr Ausdruck hatte etwas Unverbindliches, so als wären alle persönlichen Züge „hereingenommen“ worden. Sie reichte mir flüchtig eine hölzern erscheinende Hand. Man kann wohl sagen, daß die Patientin in einer Art entliehener Gestalt zur ersten Konsultation gekommen war. Sie hatte nämlich beim Empfang durch meine Hausangestellte nur französisch gesprochen, obwohl sie von dieser Fremdsprache kaum ein Dutzend Worte beherrschte.

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