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Hoppe, K.D. (1962). VERFOLGUNG, AGGRESSION UND DEPRESSION. Psyche – Z Psychoanal., 16(9):521-537.

(1962). Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse, 16(9):521-537

VERFOLGUNG, AGGRESSION UND DEPRESSION

Klaus D. Hoppe

Erschütterung und Scham stehen am Anfang und. Ende jeder Begegnung mit Häftlingen deutscher Konzentrationslager. Der Psychiater, der zur Begutachtung dort entstandener Leiden aufgerufen wird, hat den Weg zwischen der Skylla reinen Mitleids und der Charybdis kalter Distanz zu finden.

Zwei Möglichkeiten bieten sich ihm zunächst zur Urteilsfindung an. Er kann sich einmal auf das Zustandsbild konzentrieren und versuchen, es deskriptiv zu erfassen und bestehenden Krankheitseinheiten zuzuordnen. Zum anderen ist es ihm gegeben, sich in die Erlebnisse des Verfolgten einzufühlen und eine Beziehung zwischen ihnen und dem jetzigen Leidensbild aufzufinden. Das in den letzten Jahren zunehmende Unbehagen an der ersten Methode entsprang weniger der Erkenntnis, daß die jeder psychopathologischen Betrachtungsweise innewohnende Reduktion auf eine biologische Funktionsebene das Erleben der geschichtlichen Persönlichkeit ausklammert (Binswanger3), als vielmehr der Einsicht in die Unangemessenheit der zur Verfügung stehenden Diagnostik. So wurden neue Krankheitsbilder und -beschreibungen wie chronische reaktive Depression (Strauss34), vorzeitiger Knick in der Lebenslinie (Kolle22), erlebnisbedingter Persönlichkeitswandel (Venzlaff35) geschaffen. Dadurch konnten viele Opfer des Nationalsozialismus eine späte Wiedergutmachung pekuniärer Art erhalten. Diese begrüßenswerte Entwicklung darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß dadurch die Fragwürdigkeit der klassischen psychiatrischen Diagnostik nicht verringert wird – im streng Kräpelinschen Sinne ist eine chronische reaktive Depression eine contradictio in adjectis – und daß manche Probleme, wie etwa die Beziehung zwischen chronisch reaktiver und neurotischer Depression oder die Auslösung eines schizophrenen Schubes durch die Entwurzelung im Konzentrationslager, damit keiner endgültigen Lösung zugeführt werden können.

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