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Kohut, H. (1966). FORMEN UND UMFORMUNGEN DES NARZISSMUS. Psyche – Z Psychoanal., 20(8):561-587.
    

(1966). Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse, 20(8):561-587

FORMEN UND UMFORMUNGEN DES NARZISSMUS

Heinz Kohut, M.D.

Translated by:
K. Hügel

I

Obwohl in unseren Diskussionen über Theorie gewöhnlich nicht bestritten wird, daß der Narzißmus, d. h. die libidinöse Besetzung des Selbst, an und für sich weder krankhaft noch schädlich sei, besteht eine nicht unverständliche Neigung, ihn, sobald das Feld der Theorie verlassen wird, mit einem vorgefaßten negativen Werturteil zu betrachten. Dieses Vorurteil, wo es existiert, beruht zweifellos darauf, daß man dem Narzißmus die Objektliebe gegenüberstellt; gerechtfertigt wird es mit der Behauptung, der Narzißmus sei die primitivere und für die Anpassung weniger geeignete Form der Libidoverteilung. Ich glaube jedoch, daß es sich hierbei gar nicht um eine objektive Beurteilung des Narzißmus als Entwicklungsstufe oder seines Wertes für die Anpassung handelt, sondern daß sich in dieser Auffassung der unzulässige Einfluß des altruistischen Wertsystems der westlichen Kultur bemerkbar macht. Aber was auch immer die Gründe für dieses Werturteil sein mögen, auf unsere klinische Praxis wirkt es sich jedenfalls einengend aus. Es kann im Therapeuten den Wunsch erwecken, bei seinem Patienten die narzißtische Position durch Objektliebe ersetzen zu wollen, anstelle des oft geeigneteren Ziels, den Narzißmus zu transformieren, d. h. die narzißtische Libido anders zu verteilen und die primitiven seelischen Strukturen in die reife Persönlichkeit des Patienten aufgehen zu lassen.

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