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Marcus, S. (1974). Freud und Dora: Roman, Geschichte, Krankengeschichte. Psyche – Z Psychoanal., 28(1):32-79.
    

(1974). Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse, 28(1):32-79

Freud und Dora: Roman, Geschichte, Krankengeschichte

Steven Marcus

Translated by:
Käte Hügel

Marcus unterzieht Freuds „Bruchstück einer Hysterie-Analyse“ einer Sekundäranalyse — mit den Augen eines Literarhistorikers. Im Hinblick auf die verschiedenen Rollen, in denen der Autor der Fallgeschichte spricht, den Palimpsest-Charakter der Darstellung und ihre komplizierte Zeit-Struktur vertritt er die These, der „Fall Dora“ habe die Form eines modernen Experimentairomans. Das Scheitern der Therapie führt Marcus wie andere darauf zurück, daß Freud erst am Fall Dora die Bedeutung von Übertragung und Gegenübertragung aufging. Für die zentrale Position, die ihm im ersten Traum seiner Patientin eingeräumt wird, blieb er daher eigentümlich blind. Freuds unkontrollierte negative Gegenübertragung ließ ihn der in ihr viktorianisches Familiendrama verstrickten Patientin gegenüber als eine Art (Ibsenschen) Wahrheitsfanatiker auftreten — eher als Wissenschaftler denn als Therapeut. So hatte das junge Mädchen keine Chance, in die Freudsche Version ihrer Lebensgeschichte als deren Autorin einzutreten. „Statt Dora sich ihre eigene Geschichte aneignen zu lassen, eignete Freud sie sich an.“

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