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Richter, H. (1997). Medizin und Gewissen. Psyche – Z Psychoanal., 51(5):410-422.

(1997). Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse, 51(5):410-422

Medizin und Gewissen

Horst-Eberhard Richter

Der Nürnberger Ärztprozeß vor 50 Jahren hat den Beitrag deutscher Ärzte zu den Unmenschlichkeiten im Nationalsozialismus zwar ans Licht gebracht. Dennoch blieben die Euthanasie-Verbrechen, mehr noch als die Judenvernichtung, in weiten Kreisen nicht nur der Ärzteschaft, sondern der gesamten deutschen Bevölkerung über Jahre verleugnet und verdrängt. Richter erinnert an jene Volksärzte, die glaubten, das Wohl des Volksganzen verlange die Opferung gesundheitlicher Individualinteressen, und die die Verschmelzung eugenischer und antisemitischer Vorstellungen etablieren halfen. Er warnt vor der Verdrängung des Ausrottungskrieges gegen psychisch Kranke, ebenso aber warnt er vor der Abgehobenheit einer aktuellen Bioethik-Diskussion. Er appelliert an die Moral und Verantwortung der Mediziner und setzt sich für eine ethische Empfehlung ein, die die Wechselbeziehung zwischen der Menschlichkeit bzw. Unmenschlichkeit des Arztes im Umgang mit sich selbst und im professionellen Wirken im Auge hat.

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