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Blumenberg, Y. (1997). »Die Crux mit dem Antisemitismus«. Zur Gegenbesetzung von Erinnerung, Herkommen und Tradition. Psyche – Z Psychoanal., 51(12):1115-1160.

(1997). Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse, 51(12):1115-1160

»Die Crux mit dem Antisemitismus«. Zur Gegenbesetzung von Erinnerung, Herkommen und Tradition

Yigal Blumenberg

Anknüpfend an die von Alexander und Margarete Mitscherlich analysierte »Unfähigkeit zu trauern«, zentriert der Autor seine Überlegungen um das (Nicht-)Erinnern und (Nicht-)Durcharbeiten des Antisemitismus, in welchem sich in wenngleich verzerrter Gestalt, in einer Gegenbesetzung, eine Beziehung zum Judentum ausdrückt. Die Schwierigkeiten, diese Gegenbesetzung zu dechiffrieren und sich erinnernd mit dem »Juden« in Beziehung zu setzen, entstammen Blumenberg zufolge der Tradition einer dreifachen kulturgeschichtlichen Verdrängung des Judentums: durch die Institutionalisierung des Christentums, die Aufklärung und den Nationalsozialismus. Diese die jüdischen Wurzeln der abendländischen Kultur entwertende Tradition flüchtet sich in purifizierende, Ambivalenzen aufhebende Tendenzen und trägt den Keim zur Selbstzerstörung in sich. Die Auslöschung der Erinnerung an den vorausgesetzten eigenen Ursprung, die eine zentrale Dimension jüdischen Denkens darstellt, erweist sich als der Herkunftsort des Antisemitismus. Erst im Durcharbeiten des Antisemitismus, d. h. in der Wiederherstellung der Erinnerung wird es möglich, (Kultur-)Geschichte zu schreiben.

Inhuman aber ist das Vergessen, weil das akkumulierte Leiden vergessen wird; denn die geschichtliche Spur an den Dingen, Worten, Farben und Tönen ist immer die vergangenen Leidens. Darum stellt Tradition heute vor einen unauflöslichen Widerspruch. Keine ist gegenwärtig und zu beschwören; ist aber eine jegliche ausgelöscht, so beginnt der Einmarsch in die Unmenschlichkeit… Wiederzukehren vermag Tradition einzig in dem, was unerbittlich ihr sich versagt.

Th. W. Adorno, über Tradition

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