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Kutter, P. (2006). Lothane, Zvi: Seelenmord und Psychiatrie. Zur Rehabilitierung Schrebers. Gießen (Psychosozial-Verlag) 2004. 665 Seiten, € 49.. Psyche – Z Psychoanal., 60(3):271-273.

(2006). Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse, 60(3):271-273

Lothane, Zvi: Seelenmord und Psychiatrie. Zur Rehabilitierung Schrebers. Gießen (Psychosozial-Verlag) 2004. 665 Seiten, € 49.

Review by:
Peter Kutter

Ging es in der amerikanischen Ausgabe von 1992 primär um die »Verteidigung« des in Analytikerkreisen durch Freuds berühmte Arbeit »Über einen autobiographisch beschriebenen Fall von Paranoia« bekannt gewordenen Senatspräsidenten Paul Schreber, so steht in der deutschsprachigen Ausgabe mit dem Titel Seelenmord und Psychiatrie die Psychiatrie im Zentrum der Kritik. Das hat programmatischen Charakter: Die englischsprachige Ausgabe polarisierte zwischen Verteidigung und Anklage, wie die Rezensionen von Busse in der Psyche (1994, 83-85) und von Raguse in der Zeitschrift für psychoanalytische Theorie und Praxis (1997, 201-206) zeigen. Die Übersetzung ins Deutsche wirkt sachbezogener. Trotzdem enthält das Buch noch genug Zündstoff. Seine Lektüre fasziniert nach wie vor. Warum?

Die Denkwürdigkeiten des Senatspräsidenten Paul Schreber sind schon als solche denkwürdig, weil hier ein Betroffener über die damalige Psychiatrie und Justiz im noch kaiserlichen Deutschland schreibt. Sie sind es aber um so mehr, weil sich dahinter gleich mehrere Rätsel verbergen, nämlich das der Schizophrenie, das der Psychiatrie und das des Traumas. Vielleicht kommt noch ein viertes Rätsel dazu, nämlich das von Deutschland, dem »Land der Mörder«, das den Holocaust verbrochen hat.

Menschen, die die Psychiater als schizophren oder paranoiddiagnostizieren, erscheinen vielen als unheimlich, wie Freud am Beispiel von E. T. A Hoffmanns Sandmann zeigte: Statt Liebe be-herrschen Kastration und Selbstmord die Szene. Während bei Heinz Häfner das Rätsel Schizophrenie in seinem 2000 erschienenen Buch entschlüsselt erscheint, mit genetisch vorgegebenen Risikofaktoren, mit physiologischen Hirnveränderungen, mit einem »Versagen einer kritischen Realitätskontrollfunktion«, ist es für Psychoanalytiker immer noch ungelöst. Freud vermutete beim Fall Schreber bekanntlich eine seiner Triebtheorie entsprechende abgewehrte Homosexualität. An der Diagnose »Paranoia« hatte er ebensowenig Zweifel wie später Willem Niederland, der der Traumatheorie folgend einige Inhalte der Psychose auf Traumatisierungen durch den Vater zurückführte.

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